300 Mal Gianni in Berlin: Die große Versace-Ausstellung

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Gianni and his muses. #GianniTribute

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Einst der Stadtpalast des preußischen Herrscherhauses, später beherbergte das Gebäude mit den hohen Säulen, welcher den Beginn einer der bekanntesten Straßen Berlins „Unter den Linden“ markiert, eine Abteilung der Nationalgalerie. Im zweiten Weltkrieg völlig zerstört, später wieder aufgebaut, gilt der Kronprinzenpalais heute offiziell als das „Gästehaus der Stadt Berlin“.

Die Historie eines Ortes, der schier für große und wichtig wirkend wollende Ausstellungen gemacht zu sein scheint. In der kommenden Woche nistet sich hier die Vogue mit ihrer jeweils zur Berliner Modewoche stattfindenden Gruppenausstellung, dem „Berliner Modesalon“, in den Etagen des Palais ein, die über Treppen, welche mit roten Teppichen ausgelegt, miteinander verbunden sind.

Nur zwei Wochen später werden die Puppen mit den Designs großer und kleiner Modemacher Deutschlands aus den zahlreichen Räumen mit den Balkonen, die eine Aussicht auf den Alex und die Baustellen im Umkreis erlauben, verschwunden sein. Und es wird Platz für eine neue Ausstellungen geschaffen – die bisher größte und einzige ihrer Art. Ein Rückblick, die Retrospektive des an diesem Tag genau 20 Jahre verstorbenen Designers Gianni Versace. Dessen Mode eben so war, wie die Räume, von denen sie schon bald umgeben sein wird: prunkvoll und überzogen.

Bis vor einigen Monaten noch wirkte das Label, welches Donatella Versace nach der sagenumwobenen Ermordung ihres Bruders auf den Treppenstufen seiner Villa in Miami übernommen hatte, angestaubt. Eine sich wiederholende Aneinanderreihung von prolligen Bling-Bling Designs, die unbedingt sexy wirken-  es aber nicht auf die Art und Weise sein konnten, wie die vorausgehenden Designs des verstorbenen Gianni Versace. Die Entwürfe: weder neu, noch aufregend. Zunehmend machte es den Eindruck, als würde sich die Marke nur all zu sehr auf den bestehenden Assoziationen mit ihrem Namen verlassen: visionäre, ikonische Designs.

Doch es schien als würde nur ein Blick zurück auf die Markenidentität von Versace genügen. Ein Blick zurück auf  bunte Prints, goldene Ketten und dem Medusa-Logo auf hautengen All-Over-Anzügen, mit denen die It-Girls jener Zeit über die internationale Laufstege der Versace-Shows liefen – und die sie zu Ikonen machte. Donatella Versace schaffte es aus dem längst Vorhandenen etwas Anderes, Neues zu schaffen – und das ganz ohne dabei sentimental oder gar rührselig auf die Vergangenheit blicken zu müssen.

Die Designerin nahm das 20. Todesjahr ihres Bruders zum Anlass, im vergangenen Jahr noch einmal die 90er über den Laufsteg der Mailänder Fashion Week zu schicken: Cindy Crawford, Naomi Campbell, Claudia Schiffer in golden schimmernden Kleidern. Versace war wieder Versace: ikonisch, zu viel und gut. Und die Bilder der Show: auf nun wirklich allen Social-Media-Kanälen zu sehen.

 

THANK YOU to my icons. Thank you to everyone ♥️♥️♥️ #VersaceSS18 #versacetribute

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„Ohne ihn (Gianni Versace, Anmk.) hätte es nie das Konzept der Supermodels gegeben. Er hat Modenschauen zu den Spektakeln gemacht, als die wir sie heute kennen.“ erklärt Antonio Caravano dem Tagesspiegel. Er ist der Besitzer der größte Versace-Sammlung und wird diese nun am 30. Januar erstmals in Berlin präsentieren.

Der große Rückblick auf das Schaffen eines Werkes, das oft als „visionär“ bezeichnet wurde besteht aus 300 Einzelstücken, die Sammler Caravano meist auf Auktionen gekauft hat – wie unter anderem das Kopfende des Bettes, in dem Gianni Versace in seiner Villa in Miami schlief.  (Tagesspiegel) Die Ausstellung wird, wie bei Retrospektiven eben so üblich, in chronologischer Reihenfolge präsentiert. Interessant ist, dass sie weder von dem Label Versace unterstützt, noch autorisiert wurde.

Nach Jil Sander in Frankfurt und der größten Versace-Ausstellung mitten in Berlin, kann man nicht nur eine tiefergehende Verstrickung der Bereiche Mode und Kunst beobachten – sondern auch den Modestandort Deutschland wohl auch zunehmend als solchen anerkennen.

Category: News

Tags: ausstellung, Berlin, Donatella Versace, exhibition, Gianni Versace, Kronprinzenpalais, Versace

Von: Carl Jakob Haupt

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