Kunst im Hitlerbunker: Boros Collection “Bunker Berlin #3”

Auch wenn dieser Tage alle Augen auf dem Star-Galeristen Johann König und seiner zur Galerie König umgebauten Betonkirche ruhen, ist Berlins besonderster Ausstellungsort doch ein anderer:

Die private Sammlung des Ehepaars Boros wird in einem Hochbunker aus der Hitlerzeit gezeigt und weil ein Bunker sich eben sofort für die Ausstellung von zuweilen großformatiger Kunst anbietet, wurde der Betonklotz umgebaut. Allein dieser Kraftakt, sich gegen Stahl und Beton zu wehren und Platz zu schaffen, für das Gute, Schöne und Wahre, hat den Boros Bunker zu einer der angesagtesten Anlaufstellen für kunstinteressierte Besucher werden lassen.

Am vergangenen Wochenende, dem Gallery Weekend, wurde am bekannten Ort die nunmehr dritte Ausstellung der Privatsammlung einem kleinen Kreis geladener Gäste präsentiert, darunter der hühnenhafte Axel Springer-Chef Mathias Döpfner samt zeitgemäßer Kunstfreundin Julia Stoschek, der bildschöne Künstler Cyprien Gaillard und natürlich auch oben genannter Galeristen-König. Es war ein gutes Fest und um dorthin zu kommen, mussten alle eben einmal durch die Ausstellung gehen, die ab heute, dem 4. Mai 2017, auch der Öffentlichkeit zugänglich ist.

In der dritten Ausstellung ihrer Sammlung zeigen die Boros’ auf 3000 Quadratmetern neu erworbene Arbeiten sowie Werke aus den 1990er und 2000er Jahren, darunter Arbeiten von  Andreas Eriksson, Guan Xiao, He Xiangyu, Sergej Jensen, Friedrich Kunath, Peter Piller und Pamela Rosenkranz. Insgesamt werden 18 Künstler ausgestellt. 

Während in der vorangegangenen Ausstellung noch solche Instagram-Favoriten wie der hängende, sich abschleifende Baum von Michael Sailstorfer, die im ganzen Raum unablässig Popcorn produzierende Popcorn-Maschine oder die riesigen, sehr teuren Weltraumfotografien von Thomas Ruff zu finden waren, sind es jetzt oft leisere Werke. Vieles hängt einfach an der Wand und nimmt nicht den gesamten Raum ein. Und so fallen vor allem auch die Leerräume auf, in denen eben nichts hängt und die dem Besucher ein bißchen Ruhe geben, in all dieser Aufregung, die der Bunker nun schon mitbekommen hat und die sich natürlich manifestiert hat, in den dicken Wänden, die einen hier vom Außen abschirmen.

1942 wurde der Bunker gebaut, um dem Krieg zu trotzen, in der DDR diente er als Lagerraum für Südfrüchte, nach der Wende wurde hier Techno gespielt und nun eben Kunst gezeigt. Man möchte nicht tauschen, mit diesem Bunker und seinem bewegten Leben.

In die Ausstellung schauen, sollte man trotzdem mal. Es gibt viel zu sehen.

1/7

2/7

3/7

4/7

5/7

6/7

7/7

Hier kann man Führungen durch den Bunker und die Sammlung buchen: www.sammlung-boros.de

Die Eheleute Boros und drei Frösche

Category: Special

Von: Carl Jakob Haupt

Instagram