DANDY DIARY-Lederhose gewinnt Ehrenpreis auf dem Oktoberfest in Pune (Indien)

Vor einigen Wochen, pünktlich zum Münchner Oktoberfest, haben wir so stolz es nur eben ging das Ergebnis unserer Design-Kooperation mit dem größten deutschen Trachtenhaus ANGERMAIER präsentiert: eine DANDY DIARY-Lederhose.

Keine 24 Stunden später wurde die Hose bekanntermaßen wieder vom Markt genommen. Sämtliche Medien berichteten, unser Oktoberfest-Besuch wurde kurzfristig und ohne Angabe von Gründen abgesagt und letztlich bekamen wir „Wiesn-Verbot“ (BILD-Zeitung).

Da es aber immer schon unser großer Traum war, mal zum Oktoberfest zu fahren und wir uns diesen allergrößten aller Träume nun mit unserer Lederhose endlich hatten erfüllen wollen, waren wir logischerweise brutal geknickt. Aber was sollten wir tun? Wir hatten, danke der „Skandalhose“, ja „Wiesn-Verbot“. Eine Einreise nach München während des Oktoberfests wäre einer Kriegserklärung mit den ANGERMAIERS gleichgekommen. Das wollten wir nicht riskieren. Wir wussten ja, wie sauer ANGERMAIER-Chef Dr. Axel Munz auf uns war, weil er Gangster-Symbole der mittelamerikanischen Drogen-Gang MS 13 auf seine Hosen drucken ließ, ihnen, wie mit uns besprochen, einen Baggy-Schnitt verpasste und sie frohen Mutes in seine Läden hing – und dann zurückschreckte, als ihn aufmerksame Kunden auf die offensichtliche Unvereinbarkeit von Drogen-Gangs und dem Oktoberfest aufmerksam machten. Den schwarzen Peter schob man in Millisekunden uns zu, vergaß darüber, dass Design und Herkunft bekannt und abgesegnet waren, und wir uns sogar High-Five-klatschend auf „noch mehr Hanfzeichen“ auf der Hose verständigt hatten. Wie dem auch sei. Es war klar: wir würden unter keinen Umständen sicher nach München reisen können. Nicht zu dieser Zeit. Und ganz bestimmt auch nicht auf diese Wiese.

Umso willkommener kam dann die Einladung vom „Oktoberfest Pune“, dem heißesten Oktoberfest Indiens. Dort hatte man von unserer Misslage gehört, sich massiv über die Rückständigkeit in dieser weit entfernten und zutiefst provinziellen Kleinstadt namens München gewundert – und uns kurzerhand als Ehrengäste zum Fest geladen.

Dieser Einladung folgten wir nur allzu gern, konnten wir doch so unseren großen Traum vom Oktoberfest endlich wahrmachen und unsere selbst designten Dandy-Hosen erstmal im passenden Umfeld tragen. Also flogen wir – mutigerweise über München – nach Indien.

In Pune, einer Stadt, drei Autostunden entfernt vom Moloch Mumbai, wurden wir mit Pauken und Trompeten empfangen. Wir waren Märtyrer, die sich für die richtige Sache geopfert hatten und vom Establishment dafür verstoßen wurden. Doch hier, im fernen Indien, verstand man uns. Endlich.

Honoratioren des Festes begrüßten uns, man gab uns ein wenig zu viele Freibier-Marken, schenkte uns Masskrüge und ordentlich ein, stellte uns der Wirtschaftselite der 3 Millionen-Stadt vor, ließ sich mit uns, den Helden aus Deutschland, fotografieren, schanzte uns tonnenweise Frauen zu, was wir jedesmal dankend ablehnten, und feierte sich, das Leben, den Oktober und natürlich vor allem: uns.

Am frühen Abend, es muss kurz nach der vierzehnten Maß gewesen sein, kam dann die große Überraschung: Col. R. M. Bedi, ein alter Sikh mit weißem Zwirbelbart, der einst im Krieg gegen Pakistan gekämpft hatte, heute im Schiffsgeschäft ist, einige Trilliarden auf dem Konto und 29 Ehefrauen hat, überreichte uns den Freiheits-Preis des Oktoberfests in Pune.

Wir waren bis zur Regungslosigkeit gerührt. So etwas hatten wir beim besten Willen nicht erwartet. Nicht hier, nicht in Indien. Noch absurder, noch unwahrscheinlich, noch crazier wäre nur ein Preis in München gewesen. Aber daran war in diesem Moment unseres Triumphs natürlich nicht zu denken. Warum auch? Wir waren schließlich bei 32 Grad Celsius in Pune, mitten in Indien, trugen unsere Lederhosen knietief und tranken bayrisches Bier. Wer braucht denn dann bitteschön noch dieses München? Noch dazu, wo es hier sogar eine Wiese gab, eine grüne.

Als Geschenk bekamen wir auf der Stelle zwei ungleich aussehende, pokalartige Silberkrüge, in denen das Weißbier von nun an nicht mehr versiegen sollte. Siegestrunken, ge- wie berührt, maßlos und letztlich vor allem Glücklich lagen wir uns noch Tage später in den sonnenverbrannten Armen und sangen bayrische Volksweisen mit indischem Akzent, bis man uns bat aufzuhören und es auch mal gut sein zu lassen. Das taten wir und schliefen auf der Stelle in der Rikscha zurück nach Mumbai ein.

O’zapft wars!

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Category: Special

Von: Carl Jakob Haupt

Fotos: Arturo Martinez Steele

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