DANDY DIARY x TRACHTEN ANGERMAIER – Lederhose vom Markt genommen

Während wir in der vergangenen Woche noch voller Elan, Stolz und Freude unsere Design-Kooperation mit TRACHTEN ANGERMAIER verkündet und unsere Dandy Diary Trachten-Lederhose präsentiert haben, müssen wir heute leider mitteilen: die Hose wurde vom Markt genommen.

TRACHTEN ANGERMAIER hat sich dazu entschieden, die Hose nicht weiter zu verkaufen. Sowohl im Online-Shop als auch in den Läden des Trachtenhauses ist unsere Hose nicht mehr zu finden. Wir finden das natürlich: kacki.

Wir wurden als Designer gebucht, haben unsere ästhetische Inspiration offen dargelegt und haben ein Design abgegeben, dass so von allen Seiten abgesegnet wurde und letztlich in Produktion ging. Mit dem Verkauf und Vertrieb des Produkts haben wir nichts zu tun – und wir sind auch nicht am Umsatz beteiligt. Ob das Produkt vom Markt genommen wird, ist alleinige Entscheidung von Angermaier. Dass es so gekommen ist, bedauern wir sehr (s.o.: Stichwort “kacki”).

Der Grund für das Verschwinden der Hose aus dem Sortiment: die von uns verwendete Gangster-Symbolik der Drogen-Gang MARA SALVATRUCHA, von der wir uns ästhetisch inspirieren ließen (und von der unsere Partner bei ANGERMAIER seit Monaten wussten – schließlich ließen sie die Symbole ja auf die Hosen sticken).

Während wir nur eine eher schroffe E-Mail bekamen, in der TRACHTEN ANGERMAIER verlangte, jeden Verweis auf ihr Haus – und damit auf die gesamte Kooperation – unverzüglich zu löschen, sprach ANGERMAIER-Boss Dr. Axel Munz weit ausführlicher mit der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG. Dort ließ er sich folgendermaßen zitieren: “Ich war außer Rand und Band. (…) Wir haben die Hose aus dem Programm genommen, weil ich nicht dahinterstehe. Ich kann doch auch keine Hakenkreuze auf meine Lederhosen sticken.“

Den Hakenkreuz-Vergleich weisen wir mal eben, soviel Zeit muss sein, kilometerweit von uns. Nicht nur, weil der Vergleich saumäßig hinkt, sondern auch, weil wir a) die Verbrechen Hitler-Deutschlands, die unter der Hakenkreuzfahne geschehen sind, für nicht vergleichbar mit irgendetwas halten (und jeder Vergleich einer Verharmlosung gleichkommt), und b) die Verwendung des Hakenkreuzes verboten ist. Die eines Hanfblattes aber nicht (und die von MS 13 übrigens ebenfalls nicht).

Wir möchten gern nochmal darauf hinweisen, dass wir uns ästhetisch bei der MS 13, der lateinamerikanischen Drogengang, bedient haben, nicht weltanschaulich. Der L.A.-Rapper-Look, dessen sich die Maras bedienen, ist aktuell ja bei vielen Marken angesagt: Astrid Andersen, Alex Mattson, etc. Die MS 13 hat in dem Bereich einfach nur den radikalsten, den ästhetisch vollendetsten, weil authentischsten Look.

Außerdem fanden wir die Kommunikation über feste Codes interessant. Bei der MS 13 gibt es genauso fixe, nicht in Frage zu stellende Codes, über die sie ästhetisch kommunizieren. Genauso wie die Bayern mit ihrer Tracht.

Und dass eben genau diese Codes nicht in Frage gestellt werden dürfen, ohne eine in der jeweiligen Kultur möglichst drastische Strafe zu erhalten, zeigt jetzt ja auch sehr schön unsere Hose: wir haben mit den Codes gebrochen, sie “falsch” benutzt – und jetzt folgt die größtmögliche Strafe: wir werden aus der Gruppe verstoßen, verleugnet und unsichtbar gemacht. Nur eben zum Glück nicht mit der Machete.

Wir sehen uns auf dem Oktoberfest – in der: Skandalhose.

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Category: News

Von: Carl Jakob Haupt

Foto oben: Ole Westermann

Andere Fotos: Screenshots www.trachten-angermaier.de

Foto unten: FAZ-Artikel (hier online zu lesen)

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