Diana Weis über Schönheitsideale

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Da sitzt sie bereits, im „Schwarzen Café“ in der Kantstraße, im langen Blumenkleid und Ingwertee in der Hand – Diana Weis. Modetheoretikerin, Dozentin an der AMDZEIT Autorin und Buch-Herausgeberin.

In ihren Artikeln beleuchtet Weis Phänomene, die mode-gesellschaftlich eine wichtige Rolle spielen, über die entrückte Jugendperfekt inszenierte Lach-Orgien oder Botox und Alter. Mit ihren Artikeln schärft sie den Blick auf unsere Gesellschaft, vertritt in ihren Artikeln auch mal unpopuläre Standpunkte: Wir sind Fans, daher baten wir sie um ein Dandy Diary Interview.

Wir sprachen mit ihr über den Einfluss von Social Media auf unsere Schönheitsideale, die Zukunft, die ungeschönte Jugend sowie Männer und ihr Verhältnis zur Schönheitschirugie.

Dandy Diary: Hippe Kids zeigen sich neuerdings auf Instagram ungeschminkt, mit tiefen Augenringen und blauen Flecken (#flawed) –  der Gegenentwurf zur auf Social Media Kanälen so weit verbreiteten Perfektion, konntest du Ähnliches beobachten und kannst du sagen, woher das kommt?

Diana Weis: Ganz grundsätzlich kann man sagen, dass es zu jeder Bewegung auch eine Gegenbewegung gibt. Gefühlt war alles schon mal da. Schon in den 80ern haben sich Kids Augenringe geschminkt, um fertiger auszusehen. Rene König hat den Begriff der „prätentiösen Verwahrlosung“ geprägt, das Hausieren mit Depressionen und die zur Zurschaustellung von Schwäche. Hier sehe ich heute eine starke Verbindung zur Emo-Trap-Musik. Wie Lil Peep, zum Beispiel, zeig mir deine Prescription-Pille, damit ich sehe, was du alles nehmen musst, um mit dem Alltag klarzukommen. Man muss dazu sagen, dass die Flawed-Kids, die sich vermeintlich unschön auf Instagram zeigen, ansonsten in jeglicher Hinsicht dem Schönheitsideal entsprechen, deswegen können sie es sich „leisten“ sich so zu zeigen. Nur die, die diese Normen eben nicht erfüllen, für die ist es eher positiv, wenn sie mehr machen können, um ihr Aussehen zu verändern, zum Beispiel mehr Make-up etc.

Dandy Diary: Welchen Einfluss hat Social Media auf unsere Schönheitsideale und dementsprechend auch auf ästhetische Eingriffe?

Diana Weis: Dank Social Media sehen wir uns immer mehr als Bild, was wiederum einen enormen Einfluss auf unser Schönheitsideal hat. Erst kam die Selbstbetrachtung im Spiegel, dann die Fotografie und Film und jetzt eben die sozialen Medien, wo unter anderem auch mit Filtern gearbeitet wird. Besonders bei Hyaluron und Botox-Fillern wird das ziemlich deutlich, dass sind 2D-Techniken. Eingriffe, die vor allem auf dem Foto gut aussehen, genau wie Contouring.

Dandy Diary: Ähnliches sehen wir ja auch seit geraumer Zeit in der Mode. Produkt und Präsentation werden auf das Medium (Instagram) zugeschnitten, über das größtenteils kommuniziert wird, aktuell passiert zum Beispiel besonders viel im Kragenbereich (#selfiearea). Wird auch in der Schönheitschirugie zukünftig vor allem das Medium entscheiden, über das wir vornehmlich gesehen werden, welche Eingriffe, wie durchgeführt werden?

Diana Weis: Im Internet sehen sie dich schon heute mehr Menschen als auf der Straße, die Schlussfolgerung, es ist wichtiger 2D gut auszusehen als 3D. Mit dem Medium wird sich auch die Technik ändern. Wenn wir uns zukünftig durch neue Social Media Apps online anders darstellen können, wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch wieder die Schönheitschirugie beeinflussen. Aber es kommt natürlich auch immer darauf an, wie man sich als sein echtes Ich sieht. Ist das echte Ich das, was abends alleine auf der Couch sitzt oder das, das ich auf Instagram zeige?!  Oder ist es mir wichtig, was die Leute denken, wenn ich die Straße herunterlaufe. Das ist auch der Grund, warum Streetstyle immer mehr an Relevanz verliert. Die echten Orte verschwinden einfach, früher war es wichtig wenn man im Club gesehen wird, dafür hat man sich schick gemacht. Das brauchen die Kids heute einfach nicht mehr so viel, weil hauptsächlich alles im Online-Bereich passiert.

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What to do after lip fillers… ✨lip Injections DOs✨ ✅Before treatments, DO let your injector know if you have previously suffered from facial cold sores. ✅DO have ideas of what you want. Like a haircut, if you can bring in pictures of what you are looking to achieve, it will be very helpful to your injector. ✅But at the same time, DO be realistic with your expectations. For changes as big as Kylie’s, injections were likely spaced apart by a month or so, and it was a gradual process. Such a drastic pump-up should not occur with one treatment. ✅DO ice afterwards! If you ice immediately after the treatment, it will help minimize any bruising. If you ice later on in the day, it will help tremendously with swelling. ✅DO sleep that night with a little elevation, using an extra pillow will also help prevent swelling. ✅DO wait about a week to get a good idea of what your results will look like, and then please DO ENJOY! ✨Lip Injection DON’Ts✨ ✖️Before treatment, DON’T use aspirin, nonsteroidal anti-inflammatory medications (such as ibuprofen), St John’s Wort, or high doses of vitamin E supplements. Any medication or supplement that causes blood-thinning may increase your risk of bruising and bleeding at the injection site. ✖️DON’T have treatment right before a big event. It is likely that your lips will swell, and you’d likely want to have this treatment a week or two before you need to look your best. ✖️DON’T be scared if despite doing all the right things, your lips are still swollen and bruised. Your lips are an extremely vascular, delicate area, and sometimes it’s impossible to avoid bruising and swelling. ✖️DON’T expect your lip enhancements to last forever. On average, lip results should likely remain in place for about 6 to 9 months.. 🌏www.sohauteskin.com #teamworkmakesthedreamwork #sohauteskin #lips #lipinjections #cosmetic #lipfillers #dermalfillers #antiwrinkleinjections #wrinklefree #ohwowyes #luxury #pout #kiss #kyliejennerlips #lipgoals #lipenvy #lipart #cosmeticnurse #medispa #huntervalley #prp #laser #facial #rational #instabeauty #instagood

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Dandy Diary: Immer wenn ich Leute auf der Straße sehe, die offensichtlich operiert wurden, stelle ich mir die Frage, ob man nur die missglückten Fälle sieht? Oder ist es teilweise sogar wichtig, dass man sieht, dass operiert wurde, als Statussymbol? Nach dem Motto: Ich kann es mir leisten.

Diana: Natürlich fallen einem meistens genau die OPs auf, die misslungen sind, unterspritzen mit Botox oder Hyaluron fällt, wenn gut gemacht, nicht überdosiert, dem Laien auf der Straße kaum auf. Doch in den USA, zum Beispiel, wird im Vergleich zu Europa deutlich weniger subtil gearbeitet. Das Ideal der „natürlichen Schönheit“ ist dort nicht so fest verankert, wie in Europa. Daher haben dort die ästhetischen Eingriffe auch nicht immer primär das Ziel der „Natürlichkeit“. Mir hat einmal ein Schönheitschirug erzählt, dass er dieses Phänomen besonders bei Augenlidstraffungen beobachtet. Amerikanische Frauen wollen lieber, dass sie ihre Augen gar nicht mehr richtig schließen können, als die Gefahr einzugehen, dass die Veränderung zu minimal ist. In Europa hingegen wollen Frauen nach solchen Eingriffen eher frischer aussehen, ausgeschlafen und erholt – als offensichtlich operiert. Es kann also durchaus als Statussymbol gelten, es ist auch eine Art Emanzipation der ästhetischen Unterklasse – besonders wenn man sich eine Figur wie Melania Trump ansieht. Sie ist zwar die First Lady, erfüllt aber keinerlei Werte, die man haben muss, um zu dieser Oberklasse zu gehören. Auch die Eingriffe, die sie machen lassen hat, sind „geschmackvoll“, es sieht einfach zu viel pornomäßig aus. Bei Autos nennt man das „elegantly aggressive“, wenn sie geschlitzte Scheinwerfer haben, daran muss ich bei ihrem Gesicht immer denken. Elegant agressiv, dafür steht aber eben auch dieses Trump Zeitalter, genau wie die Kardashians, man schämt sich heute einfach nicht mehr.

Dandy Diary: Wir erleben einen wahren Schönheitswahn. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich in der Zukunft weniger Menschen unters Messer legen, um ihrer Schönheit ein Tuning zu verpassen. Ist Schönheit in Zukunft keine Frage der Gene mehr, sondern in erster Linie eine Frage des Geldes?

Diana Weis:  Eine Utopie, aber ja, grundsätzlich kann das schon sein,  dabei muss man sich aber auch fragen, ist es nicht demokratischer, wenn eben nicht die vorbestimmten Gene entscheiden, sondern das eigene Handeln darüber wie man dann schlussendlich wahrgenommen wird. Das allgemein gültige Schönheitsideal schließt nun mal ganz viele aus, ältere Frauen grundsätzlich, die können leider komplett einpacken, genau wie alle anderen Leute, die bestimmte Merkmale einfach nicht erfüllen. Ich bin eigentlich immer dafür, dass man selbst bestimmen kann, wie man aussehen möchte, dafür steht ja nicht zuletzt auch die Mode. Schönheitsoperationen werden zudem immer günstiger, oftmals ist auch Finanzierung möglich, die Technik schreitet voran, somit sind die Eingriffe auch nicht mehr so brutal, wie vor Jahren. Frauen lassen sich immer früher operieren – die meisten hören dann gar nicht mehr auf.

Dandy Diary: Hängt das auch damit zusammen, dass man – danke Social Media –  noch nie so gut informiert war, über alle Arten von Eingriffen, deren Heilungsprozess und Ablauf, eben weil einen Beautyblogger in ihren Vlogs vom OP-Saal bis hin zum Vorher/Nachher Bild an allem teilhaben lassen?

Diana Weis: Na klar, es wird normalisiert, die Hemmschwelle wird geringer. Das kann man auch bei diesen ganzen Beauty Bars beobachten, dort kann man in netter Atmosphäre unterspritzen lassen, ohne vorherigen Termin, der Service gleicht dem Besuch in einem Waxing.-Studio. Der Schritt „es zu machen“ wird immer kleiner.

Dandy Diary: Es lassen sich nach wie vor deutlich mehr Frauen operieren, als Männer. Was sagt das über unser Frauenbild aus?

Diana Weis: Bei den minimal-invasiven Eingriffen sind es tatsächlich fast 90% Frauen. Das zeigt natürlich, wie hoch der Druck auf Frauen ist und auch wie groß die Bedeutung von Schönheit für Frauen in der Gesellschaft ist. Für Männer ist es einfach nicht so wichtig gut auszusehen, weil diese Norm weniger stark ausgeprägt ist. Wenn man sich vorstellt, wie eine schöne Frau auszusehen hat, dann haben wir klare Vorstellungen davon, bei Männern gibt unterschiedliche Typen, das fängt beim Alter an, George Clooney gilt als schön, gerade weil er diese grauen Haare hat. Männer können auch immer ausgleichen durch andere Eigenschaften, ist er intelligent, ist er erfolgreich, hat er Geld? Bei Frauen steht einfach das Aussehen stark im Vordergrund, selbst wenn sie andere besondere Eigenschaften haben, scheint das Aussehen immer noch stark ihren Wert zu definieren.

Ich bedanke mich bei Frau Weis, verabschiede mich, gleite zur Heimfahrt hinunter in den Berliner Underground und denke nach. Der Wunsch sein eigenes Aussehen zu verändern, zu optimieren, ist sicherlich nichts grundsätzlich Neues, doch Instagram prägt und beschleunigt, gar keine Frage.

Doch ist all das alles verwerflich? Nein, völlig, egal, so lange man glücklich ist, wenn einem dazu Lip-Filler, Botox und Hyaluron helfen, dann „Go“ for it, alle anderen, die mit ihren #flaws leben können, um so besser.

Category: Special

Tags: beauty, Diana Weis, Flawed Kids, Instagram, plastic surgery

Von: Mara Simon

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