Fair enough!

Der Autor beim Palaver auf dem Podium

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat … Hallo!? Noch da!? Na gut, anders gesagt: Die Bundesregierung, also quasi Queen Angela Merkel herself, hat neulich bei uns angerufen und gefragt, ob wir nicht mitmachen wollten, bei einer Kampagne für “Fair Fashion”. Es ginge um die Arbeitsbedingungen der Näherinnen in Indien, Bangladesch und anderen Billiglohnländern und wir seien doch seit unserem Straßenfeger “Fair Trade Fashion” absolute Koryphäen auf diesem Gebiet und außerdem sähen wir doch so gut aus.

Wir zögerten keine zweieinhalb Wochen und sagten zu.

Wenn die Bundesregierung unsere Hilfe bräuchte, so dachten wir, würden wir nicht absagen können. Quid pro quo heißt es doch, eine Hand wäscht die andere – und wir würden sicher über kurz oder lang Hilfe von ganz oben brauchen.

Weil David in Australien die Arbeitsbedingungen der dortigen Speakeasy-Szene überwachte, war es an mir, mich auf ein Podium zu setzen und mit Menschen aus der “Fair Fashion”-Branche bei einer Bio-Limo darüber zu sprechen, was man denn besser machen könnte, in der Modewelt, damit auch wirklich alle was davon haben.

Den frenetischsten Applaus inklusive mindestens dreier Kusshände (das Bühnenlicht war sehr hell und blendete mich, es waren wahrscheinlich mehr) erntete ich für den Hinweis, dass man die “Fair Fashion”-Bewegung doch vielleicht noch ein klein wenig sexyer aufziehen könnte, so wie das zum Beispiel die Pelzgegner getan hatten, die mit Pamela Anderson gleich die Erotik-Ikone der letzten zwanzig Jahre schlechthin hatten gewinnen können und so quasi den gesamten Neupelzhandel zum Erliegen brachten. So etwas würde sicher helfen, dachte ich und sagte es in den Jubel der Massen hinein.

Später, der Applaus flachte langsam etwas ab, schauten wir uns dann den neuen Werbeclip des Bundesministeriums an, der in Kinos gezeigt werden wird und junge Modekäufer für das Thema “Fair Fashion” sensibilisieren soll. Unter dem Kampagnen-Namen “Vero & Selvie” läuft das Video auch im Internet, wo – so sagte man mir – die jungen Leute sich ja noch deutlich öfter aufhalten würden, als in den Kinos der großen Städte.

Weil ich auf knallharte, bloßstellende Fragen aus dem Publikum gefasst war, hatte ich mir im Vorfeld noch schnell ein fair produziertes T-Shirt von Melanie, die mit ihrer PR-Agentur Melodie Michelberger auch sehr korrekt gehandelte Mode bewirbt und die mit mir auf dem Podium saß, geliehen und übergestreift. Wenn die aufgeheizten Massen mich Ketzer schon von der Bühne hätten zerren und meine Kleidung zerreissen wollen, dann hätten sie zumindest den “Fair Trade”-Aufnäher im Nacken des dann wohl zerfetzten Shirts gesehen und sich hoffentlich sehr schlecht gefühlt, dachte ich vorausschauend.

Aber es kam ja nun alles ganz anders und so wurde ich zu den Klängen des “Vero & Selvie”-Werbevideos auf Händen durch den Raum und schließlich bis zu mir nach Hause getragen. Wenn Pamela Anderson all das doch nur hätte sehen können. Oder zumindest Angela Merkel. Man möge beiden bitte davon berichten – der Fairness wegen!

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Weltpremiere: eine Gruppe junger Blogger - und jeder trägt ein fair produziertes Shirt (OMG! OMG!) ::: Foto: Iga Drobisz

Auf der Website vero-selvie.de kann man sich über Fairness-Siegel, Produktionsbedingungen, die Modestudentin Vero und Näherin Selvie informieren. Unter dem Hashtag #veroselvie findet man Bilder vom Abend der Diskussion und also auch eventuell von mir und meinem Bad in der Menge.

Category: Special

Von: Carl Jakob Haupt

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