Fantast: Maurizio Catellan

Ohne jedes Independent Magazin durchblättert zu haben, lehnen wir uns wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir behaupten, dass es weltweit kein Magazin gibt, das mehr absurd geniale Bilder produziert, als das TOILET PAPER Magazine.

Im 2010 gegründeten TOILET PAPER Magazine werden Bilderwelten auf Papier gedruckt, die dem ‘Normalo’ nicht einmal auf einem optisch ansprechenden 48-stündigen Ayahuasca Trips vergönnt wären:

3 fröhliche Japanerinnen Victory-Zeichen grüßend vor einem brennenden Auto, ein bunt angemalter Esel im Profil, eine Kröte inmitten eines gigantischen Burgers, oder ein Mann, am Boden liegend, mit weit geöffnetem Mund voll von Kellogg’s, Milch wird von oben herab auf ihn geschüttet, abgehackte Fingerkuppen mit rotem Nagellack, und, und, und.

Nicht alles, was Künstler Maurizio Catellan, Fotograf PierPaolo Ferrari und Micol Talsol im TOILET PAPER Magazine erschaffen, lässt sich beschreiben. Sie produzieren absurde, ironische, groteske, pornographische, surreale, humorvolle, irrsinnige, perverse Bilder.

So genial, dass KENZO seit Saisons auf Catellan und sein Team setzt, wenn es um die Kampagnen des It-Labels geht. Für KENZO pinnten sie Miniatur-Models (in KENZO Kluft) in einen Schmetterlingskasten, verliehen einem Hund Tigermuster, zeigten einen Fuß, der kurz davor ist auf eine Banane zu treten.

Für die aktuelle gedruckte Ausgabe von BUSINESS OF FASHION verpassten sie Mr. Multitasking Karl Lagerfeld acht Arme. Und das italienische  MSGM bedruckte Sweatshirts mit TOILET PAPER Welten.

Das Konzept von TOILET PAPER, so Cattelan, ist nicht neu, wir spinnen lediglich Ideen der Kunstgeschichte weiter. Man denke an Arcimboldo. Einen Künstler des 16. Jahrhunderts, der Tafelbilder malte, auf denen er Gemüse, Früchte und Blumen darstellte, und daraus überraschende Portraits komponierte. Oder die Photo-Collagen, die am Anfang der Fotografie entstanden.

Bereits vor der Gründung des TOILET PAPER Magazine beglückte Künstler Cattelan – der wohl bekannteste Mann des Kreativ-Trio hinter dem experimentellen Magazines – die Welt mit wunderbaren Ideen. Als ein englischer Sammler Catettelan bat eine “coole” Skultpur seiner Großmutter anzufertigen, setzte Cattelan die zusammengekauerte Skulptur der Oma in den Kühlschrank des Auftraggebers.

In Catellans Karriere kam es immer wieder zu großen Zweifeln oder die Angst sich zu wiederholen. So kam es, dass er bei eine seiner ersten Ausstellungen in Bologna einfach ein Schild mit der Aufschrift Ritorno subito (komme gleich zurück) im Schaufenster aufhängen ließ, doch er kam nie zurück. Ein anderes Mal ließ Catellan die Tür einer Galerie zu mauern, in der seine Kunst präsentieren sollte.

Man kann nur hoffen, dass wir uns noch ein wenig am zweimal jährlich erscheinenden TOILET PAPER Magazine erfreuen dürfen und Catellan nicht zu früh seine alt bekannten Zweifel vor Wiederholung einholen.

 

catellan211-cattelan.nocrop.w1800.h1330catellan6catellan1

Category: Special

Tags: Maurizio Catellan, Micol Talsol, Toilet Paper

Von: David Kurt Karl Roth

Instagram