Frage des Stils: Stylist Paul Schlosser

Paul Schlosser arbeitet als freier Redakteur und Stylist, assistiert Ingo Nahrwold und ist für das Styling der Online-Präsenz des VOO Stores zuständig.Wir haben Paul in seiner Wohnung in Berlin besucht, um mit ihm über seine blonde Haarpracht, Modesünden und Diktatoren mit Stil zu sprechen.

1.) Outfit, das du bei deiner eigenen Beerdigung trägst?

 Ich gehe selten in mehr als Kapuzensweater, Longsleeve und Wohlfühlhose aus dem Haus. Wenn man aber schon mal frisiert und gepudert in imposantem Sarg vor geladenen Gästen aufgebahrt wird, sollte die Kleidung sicherlich nicht zu kurz kommen. Auf meiner Beerdigung darf es deshalb gerne einen Tick eleganter als sonst zugehen. Bestenfalls würde ich einen dunklen Self-Edge Anzug von Carol Christian Poell tragen.

 2.) Deine Lieblingsdesigner? 

Rick Owens zählt definitiv zu meinen Lieblings-Modeschöpfern. Mit seinen Kollektionen hat er es geschafft eine eigene Welt zu kreieren. Diese ist weniger modischen Schwankungen unterlaufen, sondern entwickelt sich gemächlich und mit Intelligenz weiter.

 3.) Schlimmste Modesünde?

Bis vor zwei Jahren habe ich riesige Teller in meinen Ohren getragen. -Ja doch, das dürfte so bislang meine schlimmste Modesünde gewesen sein.

 5.) Dein Motto?

Seitdem ich im vergangenen Jahr das erste Mal von Matthew Stones Einzelausstellung in der La Scatola Gallery in London gehört habe, geht mir der Titel nicht mehr aus dem Kopf. – „Everything is possible“.

  6.) Dein Stil?

Mein Stil ließe wohl sich am besten als inkonsequent, zufällig mit einer Portion Street und High Fashion beschreiben. Manchmal versuche ich eine bestimmte Richtung einzuhalten und kleide mich ausschließlich in einem Designer oder mehreren mit ähnlicher Ästhetik. Das kommt jedoch nicht sonderlich oft vor.

Im Regelfall zeichnet sich mein Stil aber vorallem durch Brüche aus. Ich mische Avantgarde Teile in postapokalyptischem schwarz mit Streetwear, trage teure Designerfummel zu ausgedienten Sneakern und Tennissocken oder umgekehrt meine Rick Dunks zur Jogginghose und Alpha-Bomberjacke.

Ich denke die Ästhetik die ich in meiner Arbeit präsentiere, ist eine intuitive Erweiterung meines eigenen Stils. Falls das nicht so wäre, würde ich glaube ich meinen Job nicht richtig machen.

 7.) Stilvorbilder?

Ich finde schon immer den Stil lateinamerikanischer, sowie osteuropäischer Straßengangs faszinierend, lande aber auch oft bei der Portrait-Serie „Isolated Heroes“, von Raf Simons und David Sims. Nicht zuletzt wegen der unglaublich tollen Frisuren von Guido Palau.

8.) Erzähl uns die Geschichte zu deinem blonden Haaren?

Ich habe schon immer Jim Jarmusch für seine wunderbar weiß-graue Tolle bewundert. Wenn ich mich aber innerhalb meiner Familie umschaue, so dürften mir meine Haare spätestens ab Mitte vierzig bis auf drei zähe Widerstandskämpfer ausgegangen sein, lange bevor sie überhaupt jemals ergrauen würden. Mir blieb also nur der frühzeitige Gang in den Friseurbedarfladen, so lange ich mich noch in voller Blüte befinde.

Ich habe lange gebraucht, bis ich einen Freund von mir überredet hatte, meinen Plan in die Tat umzusetzen. Da ich von Natur aus recht dunkles Haar habe, hat es einen ganzen Tag gedauert, bis meine Haare letztendlich so hell geworden sind. Und da ich nach dem zweiten Blondiervorgang jedes Mal Angstzustände bekommen habe, wenn sich mir Farbpinsel näherte, beließen wir es bei Platinblond.

9.) Diktator, den du für seinen Stil bewunderst?

Saddam Hussein – aber nur gespielt von Hunty Dominic Cooper im Film „The Devil’s Double“.

Fotos: Arturo Martinez Steele

Category: Frage des Stils

Tags: Arturo Martinez Steele, Darklands, Ingo Nahrwold, Paul Schlosser, Stylist, Voo Store

Von: David Kurt Karl Roth

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