HIER SIND DIE COOL-KIDS: MIDLAND AGENCY

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MIDLAND AGENCY

Immer mal wieder sehen wir uns mit weit geöffneten Mund vor meterlangen, gewaltigen Gemälden stehen, auf denen sich Rubensdamen mit zahlreichen Speckfalten auf einem Kanapee wälzend, Weintrauben in den Mund zuführen. Krampfhaft versuchen wir das mit dem übereinzustimmen, was wir als ästhetisch empfinden.

Während in der Renaissance das heutzutage verschriene Doppelkinn als sexuell erregend galt und Sigmar Gabriel (vor seiner Magen-Op) somit wohl das höchste Maß an Gefühlen dargestellt hätte, überrollte in den letzten Jahrzehnten das vergleichsweise schlanke Schönheitsideal des Westen die Modeindustrie.

In den 80ern, der Ära der Supermodels galt es als besonders attraktiv, sportlich und durchtrainiert zu sein. In den 90ern folgte auf die noch kurvigen Supermodels der spindeldürre, abgefuckte Heroin-Chic.

„Schönheit“ oder das was wir als “schön” empfinden, ist eine Frage der Zeit und / oder der jeweiligen Kultur. In einer Zeit, in der der Einfluss von Instagram, Facebook und Co. zunimmt, gibt es wieder Raum für Ästhetik – fern ab von dem, was der Mainstream als “schön” erachtet , gepusht von Brands wie HBA, Vetements oder Gosha Rubchinskiy.

Die Model-Agentur No. 1 für die Anti-Models: Midland Agency. Vor etwa einem Jahr gründeten Rachel Chandler (30) und der knapp zehn Jahre jüngere Walter Pearce mitten in New York City eine Agentur, welche sich stark von herrschenden Schönheitsidealen distanziert, in dem sie nach Looks Ausschau hält, die „weird but in a good way“ sind.

Mit 14 Jahren absolvierte Walter Pearce ein Praktikum beim DIS Magazine – das Kollektiv, das Jahre später die Berlin Biennale kuratieren sollte, und traf kurze Zeit später auf Shayne Oliver. Oliver, den er mittlerweile liebevoll „my mother“ oder auch „Godmother“ nennen darf, holte ihn für ein Praktikum zu HBA.

Er wurde mit der Aufgabe betreut die „verrücktesten, unbekannten Typen, die er nur finden konnte“ für eine Show ausfindig zu machen. Im Zuge dessen traf er auf Fotografin Rachel Chandler, die ihre Models fast ausschließlich auf der Straße castete und diese bereits an ECKHAUS LATTA vermitteln konnte.

Es kam die Idee zu einem ganz eigenen Business auf, welches weltweit beispiellos ist:

MIDLAND zeichnet sich vor allem durch eine Doppelfunktion auf: Es ist Model – und Casting Agentur zugleich. Ambition war es all jenen Cool-Kids eine Plattform Cool-Kids zu geben, deren Aussehen nicht der Norm entspricht.

Auf ihre Models stoßen Pearce und Chandler im World Wide Web, auf Instagram, auf der Straße, oder im Club. „Einen Jungen aus unserer Agentur, habe ich das aller erste Mal gesehen, als ich in einem Sushi-Restaurant gerade in mein Sashimi gebissen hatte. Ich bin – den Mund voll mit Sushi – rausgerannt, um den Typen anzusprechen. Mein Freund dachte, dass ich jetzt völlig verrückt geworden bin, doch wenig später hat meine Entdeckung für eine HELMUT LANG KAMPAGNE gemodelt”, so Pearce.

Die meisten der knapp 20 Models, die bei MIDLAND fest unter Vertrag hat, sind hauptberuflich keine Models. Sie arbeiten, als Musiker, Künstler und Kreative mit einem individuellen Look. Einen Look, den es lohnt festzuhalten.

Und nicht nur große Kult-Marken, wie Vetements oder auch ECKHAUS LATTA haben das Potenzial hinter den No-Models für sich erkannt. Auch GOSHA RUBCHINSKY castet die Leute, die seine Mode über den Laufsteg bringen sollen auf Instagram oder auf der Straße und auch Mainstream-Label CALVIN KLEIN zieht mit.

Es ist nicht nur ein weiteres Indiz dafür, dass festgefahrene Ideale sich in multimedialen Zeiten aufzulösen scheinen. Sondern auch eines dafür, dass auch die Modeindustrie mit neuen Entwicklungen gehen muss – und das traditionelle Agentur-Prinzip vielleicht schon ganz bald abgelöst werden könnte.

Pearce erklärt: „Es herrscht eine große Anfrage, die mit einer kulturellen Veränderung einhergehen könnte.“

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Category: Trends

Tags: HBA, Midland Agency, Model

Von: Angelika Watta

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