Im Interview: HNTA

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Im Herzen Berlins, in der Torstraße 178, hat ein neuer Store aufgemacht: HNTA.

Raphael Weinberg und Daniel Blechmann, die Macher von HNTA, kennen sich schon seit frühen Teenie-Tagen, beide sind seit Jahrzehnten im Mode-Business tätig. Weinberg, ein Ur-Berliner, arbeitete zuletzt als Independent Designer – sein Brand „Stahl Corporation“. Und auch Blechmann kommt aus dem Design-Sektor. Er entwarf Männermode für SOPOPULAR, eine Marke, über die wir auf Dandy Diary regelmäßig berichteten.

Die Auswahl der Marken, welche sie im HNTA Store verkaufen, ist bemerkenswert, einmalig in Deutschland: Damir Doma, Juun.J, Komakino, Undercover, D.GNAK, Rombaut, Soloist und Mastermind Japan & Enfant Riches Déprimés.

Wir trafen die beiden HNTA Macher zu einem Gespräch über das Konzept ihres Stores, den Stand der Männermode und Jagd auf Mode.

HNTA – was steckt hinter dem Namen eures Stores?

Die Kurzform von „HUNTER“. Wir waren schon immer Jäger. Seit unser Teenager-Zeit, in der wir versucht haben an die raren Produkte zu gelangen. Damals gab es noch kein E-Commerce. Oder Social Media. Daher musstest du wirklich auf Jagd gehen, um an die Designs von STÜSSY und Co. zu gelangen. Oftmals gab es bestimmte Sneaker gar nicht in Deutschland zu kaufen, dafür musstest du schon nach New York fliegen. Auch wenn die Zeiten heute andere sind, sind wir immer noch auf der Jagd. Heute nach Marken, die nicht jeder Laden in Deutschland anbietet.

Im HNTA Store verkauft ihr viele Marken, deren Namen nur dem „Inner Circle“ der Branche etwas sagen dürfte. Wie schwer ist für euch der Kompromiss aus eurem eigenen Geschmack und Kommerz?

Nicht allzu schwer. Denn mit den Marken, die wir verkaufen, wäre es eine Illusion, wenn wir sagen würden: Wir wollen nur vom deutschen Markt leben. Wir verkaufen weltweit, größtenteils online. Ziel ist es mal andere Marken zu zeigen, fern ab vom Mainstream. Für Deutschland betreiben wir in gewisser Hinsicht Erziehungsarbeit. Wir wollen zeigen, dass es noch mehr als SUPREME gibt. Doch auch wenn wir schon spezielle Designer haben, verkaufen wir keine ausgeflippten, bunten Klamotten. All das, was wir im HNTA Store verkaufen, ist definitiv tragbar. Das ist uns wichtig.

Vor rund zwei Jahren begann eine große Diskussion um da „SEE NOW BUY NOW SYSTEM“. Inwiefern beeinflusst die Entwicklung euer Business?

Sie hat keinen großen Einfluss. Denn der Großteil der Marken, die wir verkaufen, sind so klein, dass sie keine Pre-Collections etc. haben. Das „SEE NOW BUY NOW SYSTEM“ wäre finanziell nicht umsetzbar für sie. Dass können sich nur große Brands wie Burberry leisten. Doch ich muss auch nicht alles immer sofort haben. Begehrlichkeit zu erwecken, die nicht umgehend befriedigt wird, ist gar nicht mal so falsch.

Ihr verkauft ausschließlich Männermode. Aktuell legen viele Brands die Präsentation ihrer Männer- und Frauenkollektionen zusammen. Das geht immer zu Lasten der Männermode. Auf die Männermode kommen schwere Zeiten zu. Seht ihr das ähnlich?

Nein, nicht wirklich. Na, klar, die Firmen versuchen ihre Kosten zu reduzieren, legen daher ihre Shows daher zusammen, aber die Nachfrage nach Männermode steigt stetig. Das Bewusstsein für Männermode ist heute ein ganz anderes, als noch vor Jahren. Männer sind mehr und mehr bereit gute Sachen zu kaufen, sich individuell zu kleiden und dabei nicht verkleidet auszusehen.

Bevor ihr den HNTA Store eröffnet habt, habt ihr selbstständig als Designer gearbeitet. Habt ihr – dank eurer Backgrounds – einen anderen Blick auf Mode als eure Konkurrenz?

Ja, wahrscheinlich schon, wir können die Qualität besser beurteilen, hinterfragen Produktionsbedingungen. Wir wollen nicht einfach nur Labels verkaufen, die gehypt sind, auch andere Faktoren müssen stimmen, beispielsweise ist uns auch wichtig, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen. Langfristiges Ziel ist es auch wieder eigene Produkte zu entwerfen. HNTA als Plattform, als Medium zu nutzen. Wir produzieren schon Editorials, um die Designs unser Marken zu zeigen. Auch wollen wir uns zukünftig nicht nur auf Mode beschränken, sondern auch Toys aus Japan oder Kunstdrucke verkaufen. All das anbieten, was uns bewegt und inspiriert.

Die Mode steht vor einem gewaltigen Umbruch. Das äußert sich nicht nur im bereits angesprochenen „SEE NOW BUY NOW SYSTEM“. Wie beurteilt ihr denn aktuellen Stand der Mode?

Die Situation ist schwierig. Es gibt nur noch sehr wenige Meister-Designer mehr, wie Ghesquière oder Ackermann, dafür viel zu viel Designer, die sich auf kurzlebige Trends spezialisiert haben, denen es nicht nur um Qualität geht. Teilweise ist das schon eine Farce. Es sieht so aus, als würden sie schauen, wie weit kann ich gehen, wie dreist kann ich sein, wie kann ich den Kunde bestmöglich verarschen.

HNTA Store 
Torstraße 178, 10115 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag – Samstag 12:00 – 19:00 Uhr

Category: News

Tags: Daniel Blechmann, HNTA Store, Raphel

Von: David Kurt Karl Roth

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