Im Interview: Richard Söderberg

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Nachdem ich bei Google mind. 666 Mal Richard Söderberg, Söderberg, Söderberg Berlin und Obscur eingegeben hatte, musste ich langsam einsehen, dass im World Wide Web nicht all zu viel über den mysteriösen, in Berlin lebenden Schweden zu finden ist.

Eine Strategie? Was sich hingegen relativ schnell feststellen lässt, hierzu reicht ein Blick auf seinen Instagram-Account, dass sein Stil etwas besonderes ist: viel schwarz, Nieten, Ösen und jede Menge martialischer Accessoires. Die perfekte Uniform für eine wilde Schlacht – im Berliner Underground.

Das musste fürs Erste reichen, dachte ich mir, und machte mich auf den Weg zu Richard, der mich in seiner Wohnung  zu einem Interview empfing. Im 4. Stock angekommen, war die Wohnungstür bereits angelehnt und ich hatte keine Zeit kurz durchzuatmen, wodurch ich ihn mit den Worten: „Mein Workout für heute wäre dann auch erledigt“ begrüßte, um meine Kurzatmigkeit irgendwie zu rechtfertigen.

Dort stand er, der Modemacher, im Türrahmen, in schwarzen Cargo-Pants, einem schwarzen T-Shirt mit abstrakten Aufdruck, das er in die Hose gesteckt hat und  Socken. Die Einrichtung seiner Wohnung, minimal, in schwarz, weiß und grau gehalten. Nach einer kurzen Führung durch sein Zuhause, von dem er einen Großteil seiner Arbeit geopfert hat, setzten wir uns auf seine grauen Sofas, gegenüber voneinander.

Ich begann mit der ersten Frage:  „Richard, dein Stil ist speziell, woher beziehst du deine Inspiration?“. Ich rechnete damit, dass er mir nun erzählt, welche Musik oder Kunstrichtung ihn beeinflusst, das Modedesigner-Klischee eben, doch er fing an mir von seiner Kindheit in Schweden zu erzählen. Aufgewachsen ist Richard in einer kleinen Stadt in einem eher poshen Stadtteil, alles lief dort sehr geregelt ab, konservativ.

Viel zu konservativ für Richard. Der falsche Ort. Er fristete ein Außenseiter-Dasein, bis er vor sechs Jahren nach Berlin umzog. „In Berlin kann man frei sein, es scheint, als gäbe es hier keine Regeln“, der ganze Berlin Vibe inspiriert den Schweden von Anfang an. „Hier fühle ich mich frei, stark genug auch mal selbst Regeln zu brechen“.

Für die Schweden, so Richard, ein eher komisches Gefühl, da bei uns alles sehr geregelt verläuft, man passt sich an, alles läuft nach dem gleichen Muster ab. Für ihn ist Berlin eine der wenigen Städte in Europa, die noch frei sei. Berlin ist zwar im Wandel, doch ich hoffe, dass der Spirit noch ein wenig bleibt, so Richard.

Auf dem Couchtisch, der die beiden Sofas trennt, steht eine abgebrannte, schwarze Kerze, ein Tablett mit ein paar Kleinigkeiten sowie das Buch „Atlas Obscura“. Richard ist neben seinem eigenen Brand seit ein paar Jahren verantwortlich für die kreative Leitung des Labels „Obsur“. Doch mit seinem vergleichsweise neuen Label „Richard Söderberg“ hat er eine andere Freiheit: 

„Die Strukturen bei Obsur sind festgelegt und dort alles zu verändern, so wie Richard es gerne getan hätte, wäre für die Kunden der Marke, die sie genau wegen dieses Stils so mögen, nicht der richtige Schritt gewesen. Nach wie vor arbeitet er für Obsur, er wird jedoch nicht mehr wie bisher jede Saison eine neue Kollektion entwerfen.

Schwedisches Design ist seit jeher vom Minimalismus geprägt, auch in seinen Designs meine ich eine gewisse reduzierte Formsprache zu erkennen: Ist das der skandinavische Einfluss, der deine Herkunft in Schweden reflektiert? Beim Wort „minimalistisch“ sieht er mich verwirrt an und entgegnet sofort, „meine Schnitte sind nicht minimalistisch, sie sind einfach nur normal!“

Grundsätzlich designt er für sich, erschafft Designs, die in erster Linie ihm gefallen müssen. Er nimmt also für ihn übliche Schnitte, wie die einer Bomberjacke, auf die er im gleichen Material eine Weste setzt, die sehr ans Militär erinnert. Die Accessoires sollen die Kleidung stärker machen, sie unterstreichen.

Richard setzt sich zurück, schaut aus dem Fenster und lächelt, – „ich habe das Gefühl, wir beide haben schon mal so zusammengesessen“, sagt er bevor ich ihn fragen kann ob und welchen Form Sexualität in seiner Arbeit eine Rolle spielt, denn es gibt durchaus Parallelen von Fetish-Gear und seinen Designs zu sehen. Doch, so Richard, Sex ist natürlich etwas ursprüngliches und da ich mich vom Leben beeinflussen lassen, kann es durchaus sein, dass ich unwissentlich, auf subtile Art- und Weise vom Sex beeinflusst bin.

Da sich das Gesellschaftsbild von Mann und Frau in den letzten Jahren verändert hat, es immer mehr verschwimmt, frage ich Richard, ob seine Kollektion für Männer gedacht ist oder ob sie auch als Unisex Kollektion gesehen werden kann. „Ich bin mit einer klar definierten Geschlechterrolle aufgewachsen. In Berlin hingegen wird damit sehr offen umgegangen, es gibt feminine Männer und maskuline Frauen und alles zwischendrin natürlich auch, dass ist etwas, was ich an Berlin schätze und was man sicherlich nicht allzu oft in anderen Städten findet“.

Doch seine Designs, so Richard, konzipiert er für Männer, doch alle Designs könnte er auch in Damengrößen produzieren. Bald soll ein Video erscheinen, welches er in Zusammenarbeit mit dem Kollektiv „Herrensauna“ gedreht hat, in der es unter anderem um seine neue Kollektion geht, aber auch um die Definition von Geschlechterrollen.

Nachdem Richard all meine Fragen beantwortet hat, zeigt er mir noch etwas genauer seine Wohnung, besonders den Raum, in dem er seine Samples, Kameras und Werkzeuge lagert sowie seine Yuki-Industrienähmaschine. Er produziert seine Designs nicht selbst, doch schon immer war er am Handwerk interessiert, als kleiner Junge hat er seinem Vater stundenlang dabei zu gesehen, wie dieser seiner Arbeit mit diversen Werkzeugen nachging. Er selbst arbeitet – neben der Mode – auch an Motorrädern, welche Richard dann auf seiner Website verkauft. 

Seine Liebe zum Handwerk spiegelt sich definitiv in seiner Arbeit als Modemacher wieder, bei der Konstruktion seiner Designs. Es ist Zeit sich zu verabschieden von Richard, dem nachdenklichen Designer von so starker und gradliniger Kleidung, der sich immer wieder selbst erinnern muss, „there are no rules in fashion“.

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Category: News

Tags: Herrensauna, Obsur, Richard Söderberg, schweden

Von: Mara Simon

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