King of New York

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Er sieht aus wie ein besonders bizarrer Anime-Charakter: langes Haar in grell schimmernden Regenbogenfarben, passend dazu Grillz in grün, blau, gelb, rot, pink. Und wirklich überall, an seinem Körper: Tätowierungen.

6ix9ine – der „King of New York“ – einer der derzeit einflussreichsten Künstler der Musikbranche – hat sich auf auf seiner Stirn, oberhalb seiner rechten Augenbraue die Zahl „69“ tätowieren lassen. Und auch auf den Fingern, seiner Brust, den gesamten Arm entlang, immer wieder verewigt, sein Künstlername: 69. Ganze 200 Mal ließ sich „6ix9ine“ seine Lieblingszahl tätowieren. Diese Obsession wirkt, selbst in Zeiten, in denen das „Face Tattoo“ quasi zur Standard-Ausstattung eines jeden Rappers gehört, doch leicht verstörend.

Geboren ist Daniel Hernandez, der sich später Tekashi69, Tekashi und dann eben „6ix9ine“ nennen wird, in Brooklyn, New York. Seine Mutter stammt aus Mexico, was er als Teil seiner Identität betrachtet. Sein Vater aus Puerto Rico. In Interviews beschreibt er seine Kindheit als eine, die von Armut geprägt war. Oft sei er hungrig ins Bett gegangen, neue Klamotten gab es nie, als er 13 Jahre alt war wurde sein Vater in seiner Nachbarschaft Bushwick ermordet.

Daraufhin brach er in der achten Klasse die Schule ab, jobbte und vertickte nebenbei Gras. Auch, so Tekashi, um seine Mutter finanziell unterstützen, also Drogendealer für den guten Zweck.

 

10.November 2017. Eine Gruppe von etwa 30 Leute steht vor einem Hauseingang in New York. Waffen, säckeweise Weed, großspurige, aus dem Hip Hop Genre bekannte Handgesten werden in die Kamera gezeigt. Es ist das Musikvideo zu „Gummo“, 6ix9ines erster, richtiger Single, die mittlerweile knapp 150 Millionen Klicks auf YouTube hat. Der Rapper im Vordergrund, seine Leute im Hintergrund tanzen und rappen mit.

Dabei tragen fast alle Protagonisten ein rotes Bandana und rote Shirts –  eine Referenz zu den „Bloods“, die gemeinsam mit „69“ im Video zu „Gummo“ tanzen und posen. Eine Gang, die sich OBF (Original Blood Family) nennt und in Los Angeles gegründet wurde. Gegründet wurde diese vor allem als Reaktion auf eine weitere, ebenfalls berüchtigte Straßengang aus der „Stadt der Engel“ – die Crips.

Später folgen weitere Hits „KOODA“ oder „BILLY“. Mittlerweile charakteristisch für den Sound des 69-Rappers: sein Geschrei, welches Relikte seiner Heavy Metal Phase sind. Vor seiner Rap-Karriere hörte viel Heavy Metal, u.a. „Parkway Drive“. Der Sound – die Fusion von Rap und Heavy Metal / Punk / Hardcore – zeitgemäß, die Beschränkung auf ein Genre wirkt hingegen altbacken.

Ohne jegliche Scheu benutzt „69“ das „N-Wort“, als ganz offensichtlich weißer Rapper. Auch im Video zu „Kooda“ ist er nicht alleine, wieder ist es seine Gang, wieder ist es New York, wieder sind es Waffen und prollige Gesten in die Kamera.

„Ich produziere die besten Videos in Amerika – ohne Budget.“ prollt er im Interview mit Mass Appeal. „Diese Industrie-Videos, hinter denen Sony, Universal, Columbia stecken, verballern 50k, 100k Budgets. Ich arbeite mit 0 Dollar Budget, jeden Tag. Es sind nur meine Leute und ich. Wir arbeiten an den Visuals und ich mache aus Scheiße Gold.“

Ende letzten Jahres wurden dann, auch das gehört zur Kunstfigur „69“ Vorwürfe gegen den Rapper mit den bunten Haaren laut. Er soll, im Alter von 18 Jahren, mit einer 13-jährigen Sex gehabt haben. Den Beischlaf, so der Vorwurf, soll er mit einer Kamera gefilmt haben. Daraufhin distanzierte sich nicht nur Pi’erreBourne, ein bekannter Produzent, der für die Hit-Single „Gummo“ die Beats leiferte. 

Sondern auch der aus Ohio stammende Rapper Trippie ReddWährend die beiden noch gemeinsam auf dem Track „Poles 1469“ rappen, nennt Trippie ihn mittlerweile öffentlich einen Phädophilen, bezeichnet ihn als „gay“. Der Beef zwischen Trippie und 69 legendär: in einem Instagram Live-Video beschuldigte Trippie 69, dass er ihn in einer Hotel Lobby aufgesucht und zusammengeschlagen haben soll.

Es bleibt spannend, wie sich „69“ entwickeln wird, musikalisch wie modisch. Wie schnell haben wir uns vom Rainbow-Ghetto-Boy satt gesehen? Endet sein Weg im Knast. Oder weich gespült im Mainstream?!
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Category: News

Tags: 6ix9ine, Tripple R

Von: Carl Jakob Haupt

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