KONZEPTKUNST AUF INSTAGRAM: ANDY KASSIER

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Wirft man einen ersten oberflächlichen Blick auf das Instagram Profil von @andykassier, so sieht man sich zunächst mit einem weiteren Influencer-Life konfrontiert.

Reisen, schickes Essen, teurer Anzug, schnelle Autos mit hellbraunen Lederbezügen. Und Andy Kassier eben. Andy Kassier im Bademantel, Hausschuhen und Weinglas in der linken Hand in einem lichtdurchfluteten Luxus-Hotelzimmer an einen Holztisch gelehnt. Andy Kassier in weißen Sneakern, weißer Hose und weißem Poloshirt am Beach entlang joggend. Andy mit einem Strauß roter Rosen am Strand. Andy steht breitbeinig in einem Baum – im Anzug natürlich. Spätestens bei diesem Bild wirft der ein oder andere dann vielleicht einen zweiten Blick auf die Bildunterschriften zu den Andy-Pics.

„Vergiss nie, dass du ein Baum sein könntest, aber du bist ein Mensch geworden, also sei jede Sekunde deines Lebens froh. Sei einfach du selbst.“ Und spätestens da vermutet man etwas. Satire? Kunst? Beides?

 

Andy Kassier ist 27, wohnt in Berlin und studiert in Köln an der Kunsthochschule für Medien. 2012 begann er das erste Mal, Einblicke in das Leben eines selfmade erfolgreichen Buisness-Man zu geben, der nichts anderes tut als um die Welt zu reisen, viel zu arbeiten und seine Arbeit zu lieben. Andy Kassier zeichnet das überzogene Bild eines erfolgreichen Mannes in der Insta-Kultur. Als er vor fünf Jahren mit dieser Zeichnung anfing stellte er sich die Frage: „Inwiefern unterscheidet sich die reale Person von der virtuellen Person?“, erzählt er dem MONOPOL-Magazin.

Von eben jenem Magazin wird er als Konzeptkünstler geahndet. Mithilfe von Photoshop: -„Das ist die Ästhetik von professionellen Kampagnenschüssen guter Fotografen, für die ich gearbeitet habe“- und sündhaft teuren ausschauenden Reisevergnügen fange er die „Surrealität, die Vorstellung der perfekten Welt“ ein. (Bento)  Ihm selbst gehöre dabei nichts, der Porsche wäre geliehen, aber er könnte ihm eben gehören. Darum ginge es. Nicht um den Besitz, sondern um die ständige Verfügbarkeit von gewissen Dingen. „Meine Fotos sind eine Kritik an übermäßigem Konsum und Materialismus“, antwortet Kassier auf die Luxus-Frage im Gespräch mit Bento.

 

„Alle meine Bilder sind ohne Geld entstanden, das dafür nötige Equiqment gehört mir, meine teuersten Schuhe sind ein Paar Birkenstock, den Herr von Eden-Anzug habe ich im Super Sale für 60€ gekauft.“ erzählt er Monopol im Gespräch.  Sein Fazit nach fünf Jahren „Selbst“-darstellung? „Die Diskrepanz (zwischen realer und virtueller Person) ist groß.“

Inspiriert sei er von der Ästhetik der Werbung, besonders der von 1980. „Als es die Idee, dass Erfolg und Geld negative Nebeneffekte haben könnten, noch nicht gab.“, erklärt Kassier AnOther-Mag.

„Zu streben und zu verlieren ist das gleiche. Gewinn ist das ultimative Ziel.“; „Es ist einsam auf dem Weg zum Erfolg, aber es lohnt sich zu 100 Prozent“, steht unter seinen Bildern. „Der Erfolg ist nur ein Lächeln entfernt“, in seiner Profil-Beschreibung.

Verglichen wird seine Konzeptkunst, die hauptsächlich auf Instagram seinen Rahmen gefunden hat, auch mit der Arbeit „Excellences and Perfections“ von Amalia Ulman. „Amalia“, so ihr Instagram-Synonym und Name zugleich, fand 2014 ganze fünf Monate auf derselben Plattform statt. Fünf ganze Monate dokumentierte sie das exzessive Leben, das ein „New in LA“-Girl in der Stadt der Engel zeigt. Geendet hat ihre Insta Live-Performance dann mit dem Gang zu einem Schönheitschirurgen, bei dem sie sich ihre Brüste vergrößern lassen wollte – very LA eben. Und schrieb so ihren ganz eigenen Kommentar zu einer Kultur, die in Selbstdarstellung erblüht.

 

In zahlreichen Interviews, die Andy Kassier unter anderem dem MONOPOL Magazin, AnOther Mag oder BENTO gibt, scheint weder Interviewer noch Leser ganz klar zu werden, wer denn wirklich spricht – ist es der „echte“ Andy Kassier oder das Profil, das er auf sozialen Medien von sich zeichnet? Ähnlich war es auch bei Amalia. Auch nach Auflösung ihrer künstlichen selfmade World, welches sich hinter einer so ernstgewollten Maske verbarg, wird nie ganz offensichtlich klar, wer denn nun was und vor allem wie gemeint hat. „Amalia“ oder Amalia?

Kassier drückt sein Konzept auch bis über die Grenzen seiner Profile auf sozialen Medien aus. In Schnittstellen-Situationen, wie in Gesprächen über seine Kunst selbst, antwortet er oft zweideutig – „Da ich keinen festen Wohnsitz habe, bin ich theoretisch immer auf Reisen und führe einen Jet-Set-Lifestyle.” (Bento) stiftet Verwirrung und scheint den Insta-Andy nie wirklich ganz außen vor zu lassen.

Category: Trends

Tags: Amalia Ulmen, Andy Kassier, Konzeptkunst, Monopol

Von: Angelika Watta

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