KW-3 2017: Was gewesen ist

Dieses Foto entstand auf der Feier vom Zeit Magazin, einer guten Feier.

Um das direkt vorwegzunehmen: die wichtigste Show der Woche hat natürlich nicht auf der Berliner Fashion Week stattgefunden. Die Amtseinführung von Donald Trump, dessen Gestik fast noch plumper ist, als seine Rhetorik, fand tausende Kilometer entfernt statt, dort, wo sich niemand dafür interessiert, wer denn nun bei der Marina Hoermanseder-Show in der Front Row saß. Die Trump-Show habe ich aber, genauso wie eigentlich alle anderen Modenschauen und leider auch die von Marina – und dass, obwohl sie einen Tag vorher per Luftballon eine Grußkarte mit nochmaliger, herzlicher Einladung in meine vom Kater zerrupfte Wohnung geschickt hatte – verpasst. Während Trump seine “wüste, populistische Beschimpfung” (Stefan Kornelius in der SZ) ins nassgeregnete Publikum blähte, saß ich im Kino in den Hackeschen Höfen und schaute mir, wohl zum ersten Mal in meinem Leben, einen Film zum zweiten Mal im Kino an: Lala Land. Darin wird das schöne, das romantische Amerika gezeigt, die Westküste im Sonnenauf- und -untergang und der Jazz der Schwarzen, nur leicht verkitscht, was okay ist. Währenddessen stand mein Freund Paul in Washington D.C. im Nieselregen und probierte mich per WhatsApp-Call zu erreichen.

Nach unserer brutalen, alles zersetzenden Fashion Week Opening-Party, zu Beginn der Woche, habe ich mich von meinem Freund Joachim Bessing beziehungsweise seinem unmittelbar nach der Party ins Internet gehackte Zitat hinreissen lassen, und am Folgetag erstmal gar nichts gemacht, was auch nur annähernd mit Mode oder der Fashion Week zu tun haben könnte. Er schrieb in sein Tagebuch:

“Das ist das Gute an den Partys von David und Carl Jakob: Seit es diese Veranstaltungen gibt, ist die Modewoche danach auch gleich wieder vorbei. Das war vorher nicht so. Man musste dann teilweise noch quälend viele Modenschauen besuchen und sich dann am Mittwoch auf dem grauenhaft langwierigen Cocktailempfang der Zeitschrift Vogue mit Filialleitern einer Mercedesniederlassung auf Sylt unterhalten. Die Modewoche in ihrer alten Form erstreckte sich tatsächlich noch über mehrere Tage und nahm vom Gefühl her tatsächlich eine gesamte Woche in Anspruch. Die von David und Carl Jakob relaunchte Modewoche dauert nur ein paar Stunden einer einzigen Nacht.”

Die Nacht unserer Fashion Week Party war dann aber letztlich auch ziemlich lang und wollte auch nach der Party selbst nicht so recht enden, so dass mein großer Dank vor allem meinen Freunden Quid und Tim gilt, die den Zorn der “Last Cathedral”-Besitzer und die gesamte Sauerei mit den Schafsköpfen, dem Schweineblut und den geisteskranken Partygästen nach bestem Gewissen in vernünftige Bahnen zu lenken wussten. Noch Tage nach der Party frage ich mich, was die Nachbarn der “Last Cathedral” wohl gedacht haben müssen, als sie ihren Unrat in die Mülltonnen schmeißen wollten und darin fünfzehn abgezogene Schafsköpfe liegen sahen.

Weil man über die eigene Party ja ebensowenig sprechen sollte, wie über das eigene Aussehen – ganz einfach, weil man das selbst so wahnsinnig schlecht beurteilen kann -, möchte ich an dieser Stelle nur allzu gern meinen Freund Moritz von Uslar zitieren, dem es offensichtlich gut gefallen hatte, bei uns:

“Sehe nicht, dass es gestern eine bessere Party gab (weltweit) als die von @DandyDiaryIII. Fliegende Zwerge, Party-Monster-Extravaganza -“

Am Mittwoch wagte ich mich dann aber doch nochmal raus, wenn auch erst nach Einbruch der Dunkelheit. Sandra von Ruffin hatte schon vor Wochen, wenn nicht gar Monaten, zur Eröffnung des von ihr veranstalteten deutsch-griechischen Filmfests geladen und so ging ich mit Giannina und Paul und Pauls Freundin Anna hin, statt mich meinem Beruf, der Mode und deren Gesellschaft, zu widmen. Der große griechische Regisseur Costa-Gavras, der lässigerweise einen Bindestrich zwischen Vor- und Nachnamen tragen darf, wurde geehrt und Sandys Mama, Vicky Leandros sang traurige bis beschwingte Lieder, zu denen Klaus Wowereit im Takt klatschte. Den Auftaktfilm des Festivals mussten wir dann aber, nach zweistündigem Preludium, sausen lassen, um doch nochmal an die Modebranche anzudocken.

Das KaDeWe hatte sich das Renommee der branchenführenden Zeitschrift VOGUE – für, wie man mir erzählte, eine stattliche Summe – eingekauft und veranstalte in ebenjenem Kaufhaus den von den Vorjahren aus dem Restaurant Borchard bekannten “Vogue Cocktail”. Zwischen Kleiderstangen, Umkleidekabinen und Spiegeln wurde Champagner getrunken und wie wild genetzwerkt. Irgendwo hinten rechts in der Ecke legte Neu-DJane Wana Limar, sonst Moderatorin bei und einziger Lebensnachweis von MTV, zeitgemäße Musik auf, zu der die mitgebrachten Mädchen ein wenig tanzten. Es blieb dann aber doch alles recht unwild, im Kaufhaus. Der heißeste Moment des Abend war sicherlich der, als FAZ-Modechef Alfons Kaiser unerwartet aus dem Häuschen rumschrie, nach dem wir ihm unser neuestes Design-Objekt zeigten, das doch wohl hoffentlich noch in diesem Jahr in Kooperation mit einer bekannten und völlig irren Münchner-Nobelmarke erscheinen wird.

Nachdem man uns keine Champagnerflaschen aushändigen wollte und es uns zu müßig wurde, alle zwei, drei Minuten um Nachschank zu bitten, verzogen wir uns tiefer rein in den Westen. Das Zeit Magazin hatte zur Party in ein neues Hotel geladen und erfahrungsgemäß fanden dort immer gute, weil interessante Menschen zueinander.

Unklar, ob Hugo Capablanca dort aufgelegt hat, er strolchte jedenfalls herum und es klang ganz so. Auch sonst war das Fest gelungen, vor allem weil hier keine Kleiderständer rumstanden und eigentlich auch niemand über Mode sprach, sondern eher darüber, dass es echt schwer sei, an der Bar durchzukommen, um den nächsten Freidrink zu ergaunern. Um Punkt drei (vielleicht auch zwei) war die Party schlagartig zu Ende und selbst Yung Hurn musste gehen. An der völlig überlasteten Garderobe kam es zu Tumulten und ein Gast wurde handgreiflich, als er als “Bauer” bezeichnet wurde. Für Leser des Zeit Magazins scheint das schlicht die brutalstmögliche Beleidigung zu sein.

Wir gingen und schlugen nach stundenlanger Fahrt durch Berlin in der Odessa-Bar auf, einem finsteren Ort, den man sonst eigentlich nur in höchster Not, also wenn sonst nichts mehr auf hat, aufsucht. Dort kamen dann auch irgendwie noch alle anderen gestrandeten hin und es war gut: Lala Berlin-Designern Leyla und ihr Mann Robert, Shermine, mein Freund Philip, Bill aus dem Tokio Hotel.

Der Donnerstag war dementsprechend schwer im Eimer. Vier Bestellungen bei allen möglichen Lieferdiensten und mindestens fünfzehn geschaute Folgen der US-Serie “The Americans” sind Zeuge.

Am Freitag frühstückte ich im Café Bravo, nachdem ich es zu Hause nicht mehr ausgehalten hatte, laß in der ZEIT, dass nun Europa der Verteidiger westlicher Werte werden müsse, weil Trump dies mit den USA nicht mehr leisten werde, erschrak kurz und bestellte dann noch einen Kaffee. Abwarten, dachte ich.

Später am Nachmittag, also wenige Minuten nach meinem zweiten Kaffee, eilte ich dann doch nochmal ins Kaufhaus Jandorf, wo doch die Fashion Week stattfand, die so angenehm an mir vorbeigezogen war. Ich wollte zumindest einmal sehen, wie die neue Location zur Modewoche passen und ob alles nun besser würde. Und tatsächlich macht das Kaufhaus Jandorf total Sinn. Das ist alles schon sehr schönes Klischee-Berlin, mit den unverputzten Wänden und dem Charme des Kaputten. Die Show von SADAK, die ich mir schnell noch anschaute und zu der ich als wirklich allerletzte Gast noch reinsprang, passte hier auch gut hin. Der Cast war schön divers, die Musik gut und zur Mode sagten meine lauten Sitznachbarn: “Respect, einfach nur respect”. Das nahm ich so hin, sagte schnell noch David und Cheyenne “Hallo” und ging. Ich hatte genug gesehen, schließlich bin ich ja immer noch dabei, mich erst wieder ganz langsam an die Mode heranzutasten.

Abends lief dann Lala Land und nachts hörte ich zeitgleich den Jazz von Theolonius Monk und die Rede von Donald Trump, dann fiel ich in einen dreizehnstündigen, traumreichen Schlaf.

Hier stehen Giannina und ich vor der Logowand des Kaufhauses KaDeWe anlässlich des Vogue-Cocktails, später tranken wir Champagner auf deren Kosten. Fair enough.
Mein Lieblingsfoto unserer Party: Joachim Bessing lässt sich von Elke Vodka in den Schlund gießen
Hier nochmal der Schlund (und große Freude nach dem Vodka)
So sah ich auf der Party aus (zumindest von der Seite). Ich lecke am Kopf meines Freundes Peter Kaaden. Die Augenklappe musste ich tragen, weil ich eine wirklich FIESE Augenverletzung mit mir rum trug, sie ist nicht fehlinterpretiertes Detail meines Black Metal-Looks.

Category: Die Woche: was gewesen ist

Von: Carl Jakob Haupt

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