Lesetipp: Das Geheimnis des billigen T-Shirts

In der Wochenzeitung Die Zeit vom 16. Dezember 2010 findet sich ein interessanter Artikel zur Globalisierung und deren Auswirkungen auf Modediscounter wie H&M – und umgekehrt.

Wolfgang Uchatius geht in dem Beitrag dem Geheimnis des weißen 4,95 Euro T-Shirts nach und kommt dabei unter anderem zu folgendem Ergebnis:

“Das Geheimnis des billigen T-Shirts hängt auch mit Nazmas Fähigkeit zusammen, sich den Toilettengang zu verkneifen.”

Weiter: “Man denkt: H&M, das sind die Guten – und übersieht, dass es auch in Bangladesch schwer ist, von einem Euro am Tag zu leben.”

“Die Löhne in Dhaka ähneln denen in deutschen Nähereien im 19. Jahrhundert. Das Geschäftsmodell von H&M basiert auf diesem Gegensatz. Die Preise von heute sind möglich mit den Kosten von damals. Weil die Löhne des 19. Jahrhunderts nicht reichen, um heute ein T-Shirt zu kaufen, ist das Weltreich von H&M geteilt. Auf der einen Seite ist die Filialwelt, auf der anderen die Fabrikwelt.”

“Der Reichtum der reichsten Männer der Welt ist klein, verglichen mit dem Besitz all derer, die jeden Tag durch die Fußgängerzonen und Shoppingcenter von Los Angeles, London oder Dubai laufen.

Knapp 1,5 Milliarden Menschen, 20 Prozent der Weltbevölkerung, verfügen über genug Geld, um sich Kleider von H&M anzuziehen. Soziologen nennen sie: die globale Konsumentenklasse. Geschätztes Vermögen: 185 Billionen Dollar.

Es sind die Menschen, derentwegen es Werbeagenturen, Topmodels und Imagekampagnen gibt. Sie sind es, die das billige T-Shirt kaufen. Sie sind es, die anfangen könnten, Fragen zu stellen. Zum Beispiel diese:

Warum verlangt H&M von den Fabrikmanagern nur, den jeweiligen Mindestlohn zu zahlen und nicht einen Lohn, von dem die Arbeiterinnen anständig leben könnten?

Weshalb wird die Einhaltung des Verhaltenskodex nur von H&M selbst überwacht und nicht von unabhängigen Kontrolleuren?

Wofür braucht man überhaupt ein T-Shirt, das kaum mehr kostet als der Kaffee um die Ecke? Würde es so sehr schmerzen, den Preis von zwei oder drei Kaffees zu bezahlen – wenn dafür allen genug Geld zum Leben bliebe?

Die globale Konsumentenklasse fragt nicht. Sie kauft.”

Der Artikel findet sich auch online.

Category: News

Von: Carl Jakob Haupt

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