Lesetipp: “Die radikale Schönheit des Absurden”

Für die Neue Zürcher Zeitung hat Andrea Köhler einen staunend-schönen Artikel über die Ausstellung des im vergangenen Jahr verstorbenen britischen Designers Alexander McQueen geschrieben. Die Ausstellung findet derzeit im New Yorker Metropolitan Museum of Art statt.

Bild: nzz.ch

Köhler schreibt:

“So etwas ist in der New Yorker Museumslandschaft schon lang nicht mehr da gewesen: Die Menschenmenge im Metropolitan schlägt sogar noch jene Zuschauerschlangen, die der jüngste Publikumsmagnet des MoMA, die Ausstellung über den amerikanischen Filmemacher Tim Burton, angelockt hat. Und zumindest eines, die Vorliebe für das Makabre, Morbide, haben die beiden Stars gemein. Wie Tim Burton stammt der 1969 geborene Alexander McQueen aus kleinen Verhältnissen; wie dieser stieg er zum gefeierten Enfant terrible seines Genres auf. (…) Doch während Burton das Groteske und Hässliche pointiert, extrapoliert McQueen die radikale Schönheit des Absurden.”

“Das Kuratorenteam – nebst Andrew Bolton vom Costume Institut des Museums eine Designer-Schar aus dem Haus McQueen – hat weder Mittel noch Aufwand gescheut, die Theatralik von McQueens Werken aus Stoff, Leder, Federn, Schuppen, Muscheln, Ästen und Edelmetallen (um nur einen winzigen Ausschnitt der Materialien zu nennen) zu inszenieren; die Schau, die etwa 100 Kleider und rund 70 Accessoires enthält, nimmt sich aus, als hätten Luchino Visconti und Matthew Barney, Marina Abramovic und David Lynch zusammen den Film «Eyes Wide Shut» neu inszeniert.”

“«Ich entführe Sie auf eine Reise, von der Sie nicht zu träumen wagten», steht als Menetekel an einer Wand – ein Zitat von McQueen, das mich zu meinem Traum zurückbringt: Für eine Nacht würde ich diese Kollektionen gerne ungestört anprobieren. Zu dem Traum gehört freilich auch ein von keinem Gramm Fett behinderter Körper, der durchs Feuer oder auf Nägeln zu laufen weiss.”

Vom “Fett behindert” – schöne Formulierung. Und auch sonst ist der Artikel, der in Gänze online zu lesen ist, absolut zu empfehlen.

Category: News

Tags: lesetipp

Von: Carl Jakob Haupt

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