Lesetipp: Jil Sander, die Königin der Sachlichkeit

Montag ist Lesetag. Also hier unser zweiter Lesetipp:

Inga Griese (Welt am Sonntag) hat mit der neuen, der alten und der namensgebenden Chefdesignerin von Jil Sander gesprochen.

Was für eine abgebrühte Zicke Jil ist, merkt man recht schnell. Wir finden das natürlich kool, trauern aber auch ein bißchen um Raf Simons. Aber nun gut. Der hat noch eine große Zukunft vor sich, während Jil Sander eigentlich im besten Rentenalter ist.

Hier einige Auszüge aus dem Interview.

Jil Sanders Antwort auf die Frage, ob sie ihr Erbe gut durch Raf Simons verwaltet sieht:

“Es war sicher nicht leicht für ihn, eine Marke zu führen, die von einer anderen Designerin geprägt wurde. Ich respektiere seine Arbeit für Jil Sander.”

Und noch eine schöne Altersfrage, die wir uns natürlich niemals zu stellen gewagt hätten:

Welt am Sonntag: “Gerade wurde der 73-jährige Otto Rehhagel engagiert, den Fußballverein Hertha BSC zu retten. Karl Lagerfeld ist ungefähr 80, sie sind 68 Jahre. Die meisten respektierten politischen Persönlichkeiten in Deutschland sind in der Altersklasse um Helmut Schmidt. Was steckt wohl hinter der Rückbesinnung auf „die Alten“?”

Jil Sander: “Mit dem Ende des Kalten Krieges und der explodierenden New Economy hatte die Welt ein verständliches Vorurteil für das Neue. Alles veränderte sich im Sauseschritt, und die Trends und Moden überschlugen sich. Inzwischen hat sich dieser Mechanismus totgelaufen. Mehr und mehr wird deutlich, dass der Markt in seiner wahnwitzigen Beschleunigung nur noch die alten Ideen wiederholt.

Die Retro-Fixierung ist fast zu einem Fluch geworden. Deshalb scheint man sich nach denen umzuschauen, die Erfahrungen aus der Zeit vorher mitbringen, nach Menschen, die heute nicht die Nerven verlieren, weil sie das Theater aus der Distanz betrachten können. Es geht meines Erachtens nicht um eine Rückkehr zu Bewährtem, sondern um Realismus.”

Das ganze Interview gibt es hier.

Category: Lesetipp

Tags: Jil Sander, Raf Simons

Von: Carl Jakob Haupt

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