Mexiko: auf der Suche nach dem wahren “TEQUILA”

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An meine ersten „Tequila“ kann ich mich nicht nur noch bedingt erinnern. Weil es verdammt lang her ist und die Erinnerung an wilde NĂ€chte seit jeher lĂŒckenhaft ausfĂ€llt, doch ich versuch mich einer knappen Zusammenfassung:

Ich, halbstarke 16 1/2 Jahre alt, auf der „Beachparty Stammen“, der Muskelshirt- und Bierbauch tragende (keine gute Kombination) Barkeeper Mario vor mir, der mir und meinen Freunden Kurze aus einer Flasche, auf deren Flaschenhals ein kleiner Sombrero Hut sitzt, eingießt. „Tequuuuila“, brĂŒllt uns Mario zu und erklĂ€rt die Spielregeln: „erst Salz, dann in Zitrone beißen“.

Die nĂ€chste Erinnerung: ich, in meinem Kinderzimmer, diabolische Kopfschmerzen, neben meinem Bett ein Eimer, randvoll gefĂŒllt, mit all dem Fusel, der sich freundlicherweise dazu entschied meinen Körper zĂŒgig wieder zu verlassen.

Erst Jahre spĂ€ter, genau genommen letzten November, erfuhr ich, auf einer Pressereise, dass das, was Mario uns damals verabreichte, soviel mit Tequila zu tun hat, wie der gefĂŒrchtete Drogenbaron „El Chapo“ mit Friedensmissionar Ghandi – nicht allzu viel.

Im mexikanischen Guanajuato, einer Provinz, in der Mitte Mexikos, wird der einzig wahre „Anejo“ der Marke Corralejo produziert. Vom ersten Wurzelschlag der stachligen Agave, der Pflanze aus der spĂ€ter der Tequila gewonnen wird, bis hin zum Destillations- und Veredelungsprozess dauert es 90.000 Stunden. Das sind sage und schreibe 11 Jahre und 110 Tage. Nie hat der Spruch „Gut Ding brauch Weile“ besser gepasst.

Den letzten Schritt der Corrajeo-Produktion durfte sich meine Reisegruppe, darunter echte Alkoholika-Experten mit Rauschebart und Panama-Hut, im Lager „99.000“ anschauen. In EichenfĂ€ssern, wie man sie aus der Whiskey-Produktion kennt, reift dort Tequila in dĂŒsteren Hallen heran, bis zu 1 1/2 Jahre.

In der Zeit entweicht rund 15% des ursprĂŒnglichen Volumens aus den mikroskopischen Fugen der FĂ€sser: der sogenannte „Angel Share“. Nach der Besichtigung der heiligen Hallen des „Correlejo“, geht es hinaus, vorbei an dem „Friedhof der Leidenschaften“ – einem Paradebeispiel fĂŒr den humorvollen, bis weilen makabren, Umgang von Mexikos Bevölkerung mit dem Tod: GrabmĂ€ler, auf denen SprĂŒche stehen wie „Weniger Blumen, mehr Tequila“ stehen – hin zu einer malerischen Hacienda, in der Leonardo Rodriguez wartet, der EigentĂŒmer von „Corralejo“.

Bei Tortilla Chips mit Guacamole, Tapas und Tequila erklĂ€rt uns das Oberhaupt der „Corralejo-Famile“ uns, wieso ein echter Tequila nie mit Salz und Zitrone getrunken werden sollte: „Ein guter, alter Tequila hat QualitĂ€ten wie ein Cognac“, so Rodriguez. „Salz oder Zitrone wĂŒrden den Geschmack nur verfĂ€lschen“. Take that, Uwe! Ein QualitĂ€tsprodukt, in das soviel Zeit, Kraft und Liebe gesteckt wird, sollte man nicht verfĂ€lschen, daher ab sofort: ohne Salz und Zitrone, dafĂŒr ausschließlich, den “echten” “: Corralejo.

Category: Special

Tags: Corralejo, mexiko, Tequila

Von: David Kurt Karl Roth

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