Modetrend Religion

Die Tageszeitung TAZ hat uns neulich um ein Interview zum Thema “Mode und Religion” gebeten, das dann leider doch nicht oder nur sehr verstümmelt erschienen ist, obwohl wir so geistesgegenwärtig geantwortet haben.

Weil das Thema aktuell natürlich brandheiß ist, möchten wir euch unser Fachwissen dazu aber nicht vorenthalten, daher hier nun das ganze Frage-Antwort-Spielchen, ungekürzt:

Kreuze gibt schon lange auf meist bunten Kleidungsstücken (Ed Hardy, …). Jetzt aber auch auf „minimalistischen“ Sweatshirts, Shirts, etc. Wurde der Prunk à la Luther aus der Mode geworfen?
Im Gegenteil! Der Prunk kommt gerade wieder mit voller Kraft zurück! Paris Hilton und ihre Looks aus Anfang 2000 ist die Stilikone der Stunde! Labels wie Juicy Couture, Ed Hardy und Von Dutch erleben ein Revival. In Deutschland stehen Philipp Plein und Harald Glööckler für diese Prunksucht, den Strass und den Kitsch – und das wird schon sehr bald sehr in sein. Luther, der alte Norm-Corer, ist damit out.

Warum gibt es den Trend? Was ist passiert?
Die Stilikone Jesus Christus wurde am Kreuz getötet. Das ist passiert. Ihm möchte man mit der Darstellung des Kreuzes huldigen, seine Zugehörigkeit zur Posse zeigen. 

Wer ist der Reformator?
Der Reformator ist bzw. war natürlich Petrus, der bei seiner Kreuzigung darum bat, das Kreuz auf den Kopf zu stellen, weil er sich nicht als würdig genug empfang, in gleicher Pose wie Jesus zu sterben. Er hat die ästhetische Bedeutung des Kreuzes sofort verstanden und mit dem Stilmittel der Individualisierung kombiniert.

Gibt es neben 032c, Yeezus und Supreme x Black Sabbath weitere Beispiele für christliche Symbolik in der Männermode? Gibt es auch andere Symbole als Kreuze und „Dürer-Hände“?
Die Abbildungen brennender Kirchen in Norwegen finden sich auf einigen T-Shirts von Black Metal Bands – und damit seit einiger Zeit auch in der hippen Männermode, die sich Trends aus allen möglichen Subkulturen borgt und duschkommerzialisiert, bis sich auch der letzte Metaller für das Tragen seiner Garderobe schämt. Ob der eucharistische Fisch jedoch noch irgendwann mal hip wird, weiß nur der liebe Gott. 

Wann begann der Trend / wann ist er Dir zum ersten mal aufgefallen?
Der Rosenkranz von David Beckham war sicher ein Wendepunkt. Ab da war es höchst angesagt, sich Kreuze umzubinden oder besser noch: tätowieren zu lassen. Für meine Generation dürfte das der entscheidende Moment gewesen sein. Gleichzeitig mit der Möglichmachung pinker Kleidung bei Männern. Beckham hat mehr für die Weiterentwicklung der Männermode getan, als jeder Modedesigner, den ich kenne.

Die „Dürer-Hände“ zeigen die Unterwerfung unter Gott. Popkulturell greift u.A. Drake das zur Zeit auf. Unterwerfen sich Popkultur und Mode einem Gott, also: welcher metaphysischen Kraft gelten die Hände?
Pop und Mode sind Konsumgüter und damit unterwerfen sie sich voll dem zornigen Gott des Marktes.

Wann und warum begann die modische Metal-Ästhetik im Hip-Hop? Wer fing damit an?
Wer damit anfing, weiß ich nicht genau. Wer aber schleunigst damit aufhören sollte, ist das Bübchen Justin Bieber. Mit der kulturellen Aneignung der Metal-Ästhetik dürfte er die Selbstmordrate in Norwegen in neue Höhen getrieben haben. 

SUPREME x BLACK SABBATH

Ozzy, alte Kotze!

Die Fragen hat der TAZ-Redakteur Christopher Kammenhuber gestellt.

Category: Trends

Von: Carl Jakob Haupt

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