MoMa präsentiert zweite Modeausstellung: “Is Fashion Modern?”

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Mode – da denkt das Gro der Menschen in erster Linie an Luxus, Kommerz und – seit “Der Teufel trägt Prada” – auch an Macht und eine gehörige Portion Scheinheiligkeit. Doch die Mode kann natürlich viel mehr – manchmal jedenfalls.

Sei es Modegott Margiela, der mit seinen artifiziellen Entwürfen den Luxus und Glamour, der die Modewelt umgibt, hinterfragte: Er entwarf Westen aus Porzellanscherben und Maschendraht oder Kleider aus Papierkugeln. Oder aber Henrik Vibskov, dessen Fashion Shows immer auch irgendwie Performance und Installation sind.

Mode und Kunst – immer öfter kommt es zu einer Verschmelzung: Künstler Alex Katz entwirft für H&M. Kurator Hans Ulrich Olbricht und Oscar Tuazon modeln für Brioni. Und Michael Sailsdorfer kooperiert mit COS.

Klar, es gab schon immer Überschneidungen, Kollaborationen von Künstlern und Modemachern – es handelt sich um kein grundsätzliches neues Phänomen. Schiaperelli und die Surrealisten. Saint Laurent und Piet Mondrian. Um zwei bekannte Beispiele zu nennen.

Doch nie war die Mode so dermaßen präsent in der Kunst. Und immer öfter wird Mode auch im musealen Umfeld gezeigt: Jil Sander wird als einer der einflussreichsten Modedesignerinnen im Museum für angewandte Kunst in Frankfurt ausgestellt. Comme des Garcons Mastermind Rei Kawakubo zeigt zurzeit 120 Designs im Metropolitan Museum of Art.

Jetzt schließt sich auch das MoMa, einer der weltweit größten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst in New York, an und befasst sich zum zweiten Mal in der Geschichte (!) mit dem Schnittpunkt von Mode und Kunst.

Nach 73 Jahren, in denen es höchstens Mal einzelne Exponate aus der Modewelt in die Ausstellungsräume geschafft haben, wird im MoMa bald die große Frage: „Is Fashion modern?“ gestellt. 1944 befasste man sich mit einer ähnlichen Thematik:  „Are clothes modern?“ trug der Titel der ersten und bisher einzigen Ausstellung im MoMa, bei der man sich ausschließlich mit dem Thema Mode auseinandergesetzt hat.

Doch während man sich vor 73 Jahren nur auf die „clothes“ – also die reinen Textilien bezog, meint „Fashion“ im heutigen Kontext viel mehr als “nur” die Kleidung. Es geht um die kulturelle, soziale und gesellschaftliche Bedeutung der Mode.

Insgesamt werden 350 Kleidungsstücke im Museum of Modern Art zu sehen sein, die in sage und schreibe 111 Kategorien unterteilt sind. Wodurch der Mode nicht nur eine gewisse Vielfalt, sondern eben auch ein gewisser Deutungsspielraum zugesprochen wird.

Gemeinsam sollen diese Stücke Antworten liefern und gleichermaßen Anreiz zum Hinterfragen schaffen: Ist oder kann Mode modern sein?

Unter den ausgestellten Stücken befinden sich unter anderem der zeitlose Klassiker von Denim-King Levi’s – die 501 – das „God save the Queen“-Shirt von Queen Westwood, Nikes und natürlich auch das “kleine Schwarze”.

Manche dieser Teile werden von zeitgenössischen Künstlern neu interpretiert. Funktionalität, Ästhetik, Kultur, Politik und Technologie der Klamotten sollen auf diese Art und Weise neu erforscht und im anderen Kontext gezeigt werden.

„Welchen Effekt haben Accessoires und Klamotten auf die Kultur im 20./21. Jahrhundert?“ formuliert die NY-Times die Ausstellungsfrage neu. Und vermutet außerdem einen Pop-Up Shop im Rahmen der Modeausstellung. Also los, Flüge buchen!

„Is Fashion modern?“ wird vom 1. Oktober 2017 bis zum 28. Januar 2018 im MoMa ausgestellt.

Category: News

Tags: Are Clothes Modern, Is Fashion Modern, kunst, mode, MOMA, new york

Von: Angelika Watta

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