Nahtod im Würstchenhimmel

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Vor ein paar Wochen wollte ich sie dann endlich mal realisieren: die überaus brilliante Idee zum 2. Teil meiner suizidalen Serie (hier gibt es Part I zu sehen). Bei der Premiere “erschoss” ich mich im Wald, für den zweiten Teil wollte ich mich “erhängen”.

Daher kaufte ich einen gewaltigen Strick im OBI Baumarkt, ließ mir von meiner Mutter erklären, wie eine Schlinge so binde, dass sie sich nicht wirklich zuzieht, so dass kein ernsthaftes, sicherlich sehr kräftezehrendes Ringen mit dem Tod entsteht.

Der “Würstchenhimmel” der Landfleischerei Koch sollte der Schauplatz für das Shooting sein. Dort wollte ich hängen –  neben Unmengen “Ahler Wurst” – die dort reift, bis sie von irgendeinem Gourmet-Cowboy verspeist wird.

Ich stand auf einer Plastikbox, welche im Nachhinein weg retuschiert werden würde, so dass man mich – im finalen Bild – schwebend, hängend, sieht. Über meinem Kopf trug ich ein Batiktuch, darüber der durchaus eng sitzende Strick.

Es dauerte ein paar Minuten bis Mo, der Fotograf, die perfekte Einstellung fand, dann rief er mir zu: “Okay, es geht los”. Ich nahm die Hände vom Strick, an dem ich mich oberhalb meines Kopfs festgehalten hatte, um authentischer das hängen zu simulieren.

Innerhalb von Sekunden wurde mir brutal heiß, ich verlor die Orientierung, war nicht mehr meiner Sinne, ich trippte förmlich. Es war mir nicht mehr möglich mich selbst aus meiner Lage zu befreien, die Koordination ging verloren.

Stimmen, Wortfetzen wurden zu Schreien. Es war keinesfalls ein Gefühl von Frieden, sondern von blanker Angst, Hilflosigkeit – ein Horrortrip, den ich so nicht eingeplant hatte. Irgendwann, so die Erzählung meiner Freunde, stammelte ich, leise, wie im Traum:

“Helft mir, bindet mich ab, sofort…”. Mein Freund Korki erkannte die Dramatik packte mich an den Beinen, hob mich in die Luft, der Fotograf Mo entfernte den Strick und das Batiktuch von meinem Kopf: Ich kam, wenige Sekunden später, wieder zu mir.

Ich fühlte mich, als wäre ich woanders gewesen. Als hätte ich etwas herausgefordert, was zu groß ist für mich. “Fashion Blogger erhängt sich versehentlich sich auf Wurstehimmel” – das wäre sie wohl gewesen, die Headline im Kassler Extra Tip.

Das wäre ja ein etwas schräges Ende, oder? Daher bin ich froh, dass ich den “Wurstehimmel” wieder lebend verlassen habe.

Category: News

Tags: Landfleischerei Koch, Nahtod, Würstchenhimmel

Von: David Kurt Karl Roth

Fotograf:: Muhamed Osmancevic

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