Posthumaner Popkult

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Es gab Zeiten, da stellte der Tod tatsächlich noch einen Endpunkt dar.

Als Elvis Presley in den  späten 1970er Jahren starb, löste das einen Run auf alle Schallplattenläden aus.

Doch Elvis veröffentlichte nach seinem Ableben nicht ein Track nach dem anderen – in Kooperation mit Künstlern, die er davor nicht einmal kannte. Er versorgt seine Fans auch nicht täglich via Insta Stories mit Updates.

Doch heute, 2018, heißt das Ende des Lebens nicht zwangsläufig das Ende der (virtuellen) Person. Und auch Elvis lebt wieder, irgendwie: Ein neuer Trickfilm, „Elvis Rocks“, zeigt Presley in «4D». Es gibt Pop-Stars, die müssen nicht einmal in „Real Life“ – also in Fleisch und Blut – gelebt haben, um die Massen zu begeistern, wie Hatsune Mike, einer der aktuell größten japanischen Stars. Sie erscheint – begleitet von echten Musikern – ihren Fans als Hologramm.

Eine Europa-Tour von XXXtentaction, der vor nicht allzu langer Zeit erschossen wurde, scheint nicht abwegig. Seine Bewegungen würde man anhand von Video-Aufnahmen generieren. Vielleicht würde dann auch der noch lebende Lil Pump neben ihm stehen, der vor 5 Tagen einen Track mit X veröffentlichte.

Oder noch absurder: Lil Peep, ebenfalls als Hologramm oder Avatar. Sie veröffentlichten vor rund einem Monat „Falling Down“ – ein Track, der es bei YouTube auf 71 Millionen geschafft. Ein Meilenstein, was unseren Umgang mit  Tod, Künstlern und deren kreativem Erbe angeht.

Ein Track, an dem ursprünglich iLoveMakonnen mit Sadboy Lil Peep gearbeitet hatte, bevor Peep starb, erst danach steuerte auch X ein paar Zeilen zu, welche dann, nach dem auch XXXtentaction verstarb von Produzent John Cunningham in einen Song gemixt wurden – ohne das, das sei hier angemerkt – Lil Peep jemals einer Kooperation zugestimmt hätte.

Was bei Peep Fans auf heftige Kritik stieß, doch die Mütter der verstorbenen Künstler gaben ihr „GO“ für den polarisierenden Track, der – davon darf man ausgehen – nicht das letzte Mal sein wird, dass Künstler posthuman kooperieren.

Die technischen Grenzen verschieben sich, aber auch unsere moralischen, unsere Vorstellung von Ethik. Beide Künstler waren sehr jung, als sie starben, mit Instagram, WhatsApp etc. aufgewachsen, daher ist davon auszugehen, dass sie reichlich virtuelle „Fußabdrucke“ hinterlassen haben.

Für die Gründer von eterni.me – einem Startup aus Massachusetts Institute of Technology (MIT) ein Idealfall. Ihr Versprechen: „Werden Sie einfach unsterblich!“ – sie sammeln alle Fotos, E-Mails, Chats etc. Der verstorbenen Person und erstellen daraus dann – mit Hilfe von Algorithmen – eine Künstliche Intelligenz. Am Ende entsteht ein Avatar mit der Persönlichkeit des verstorbenen Menschen.

Freunde, Familie oder auch Fans können mit der verstorbenen Person, ihrem Freund oder Idol, chatten. Ein Skype-Talk mit Michael Jackson, dem „King of Pop“, in nicht allzu weiter Ferne. Jackson verstarb während der Vorbereitungen für seine „This is it“ Tour, welche sein Karriereende markieren sollte.

Rund zwei Monate nach seinem Tod kam es zu einem Gerichtsprozess, bei dem geklärt, wurde, ob weiter, auch nach seinem Tod, Michael-Jackson-Devotionalien verkauft werden dürfen. Sie durften.

Kein Tod eines Musikers wurde seither so dermaßen kommerziell ausgeschlachtet, wie der des „King of Pop“. Auch Jahre nach seinem Tod scheint der Hype um den King noch längst nicht verflogen. Öffentliche Personen sind immer auch Marken. Und mit Marken lässt sich viel Geld verdienen, besonders mit gehypten Marken. Der Tod löst meist ein Hype aus – der sich niederschlägt in posthumanen Ruhm – und zwangsläufig finanziellen Erlösen.

Geld für die Familie und diejenigen, die smart genug waren sich früh genug die Vermarktungsrechte zu sichern. Ist all das verwerflich? Nein, aber durchaus bemerkenswert, die fortschreitende Digitalisierung verschiebt unseren Fokus immer mehr und mehr auf das „digitale Ich“ – und das lässt sich nun einmal mal leichter reproduzieren.

Daher nur logisch, dass zukünftig verstorbene Künstler präsenter, realer denn je sein werden. Die Geburt – der Kick-Off für das digitale Dasein – für dass der Tod schon heute kein Ende mehr darstellt.

Category: News

Tags: Lil Peep, Michael Jackson, Prince, XXXtentacion

Von: Mara Simon

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