Remember: Glenn O’Brien

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Minutenlang passierte nichts – oder der Moderator machte sich einen Joint an und betrachtete sein Publikum durchdringend. Zu Besuch waren Kraftwerk, Iggy Pop, Fotograf Steven Meisel, Debbie Harry. “The TV show that’s a cocktail party, but which could be a political party“ lautete der Slogan der Talkshow, die ganz anders war, als das was sonst auf den US-amerikanischen Bildschirmen der 70er Jahre lief. Von 1978 bis 1982 lief “Glenn O’Brien’s TV Party“, von O’Brien produziert und natürlich auch moderiert.

Im April verstarb der wohl größte Dandy, der je unter den Journalisten verweilte, nachdem er jahrzehntelang über Kunst, Musik und Mode schrieb, in einer Punkband spielte und Marken von Calvin Klein bis Armani zu seinen Kunden zählte. Während der anstehenden New York Fashion Week im September ist nun eine Veranstaltung im New York SVA Theater geplant, bei der an den großen O’Brian gedacht werden soll.

Zeit für einen Rückblick.

Den Startschuss zu seiner Karriere gab damals niemand minderes als Andy Warhol selbst. Nachdem der junge Student gerade aus Georgetown in der großen, weiten Welt: New York ankam, anfing Film zu studieren und Film-Rezensionen zu veröffentlichen, fing Warhol ihn ab und ließ ihn das Interview Magazine leiten. „Sie dachten: ‘Komm, lass uns freundliche, saubere College Kids nehmen, die nicht Amphetamin abhängig sind und schauen, ob sie das Magazin machen können.'”erzählte O’Brien der Times.

Nach vier Jahren widmete er sich als Büroleiter seinem Faible für die Musik. Er spielte nicht nur in einer Punkband, was im New York der 80er eben so Gang und Gebe war, sondern war außerdem Büroleiter des Rolling Stones Magazine. Er übernahm Editorial Jobs beim High Times Magazine, dem Artforum als auch bei der GQ. Er hatte sie alle und schrieb unter anderem für AnOther Magazine, die New York Times, Vogue, Purzle Fashion, Self Service, Vogue Paris. 1998 tauchte er dann ganz und gar in die Modebranche ein und übernahm den Job als Kreativdirektor von BARNES. Dort war er außerdem für Werbung und Kommunikation der Marke zuständig und betreute darauffolgend auch weitere Marken, zu denen unter anderem NIKE gehörte. 1990 widmete O’Brien sich nebenbei für ganze 15 Jahre „The Style Guy“, einer Kolumne für das GQ-Magazin, ganz nach dem Motto “Style is what makes you different to others, Fashion is what makes you the same.”

„Ich gebe darin keine Ratschläge, welche Kleidungsstücke die Leser kaufen sollen. Ich versuche, ihnen ein wenig Geschmack zu vermitteln, und meiner ist ziemlich einfach: Bei allem, was ich kaufe, erwarte ich, daß es bis zum Ende meines Lebens hält.“, sagt er in einem Interview mit dem SPIEGEL.

Wenn es um neue Modeerscheinungen und Trends in der Branche ging, verstand sich der Journalist vor allem darauf, diese aufzugreifen und schreckte nicht zurück diese mit klaren Worten und Meinung zu kommentieren: „

„Der Firmenname an der Außenseite – wer um Himmels willen kann so etwas wirklich wollen? Als Yves Saint Laurent damit in den siebziger Jahren anfing, hoffte ich noch, daß das bald wieder vorbei sei. Aber dann kamen die Polospieler auf die Brust, und seitdem herrscht die Diktatur der Markennamen: Sich mit den Initialen anderer Leute schmücken – das ist eine komplette Bankrotterklärung.“

Doch er schrieb eben nicht nur über Mode und Musik, sondern widmete sich ebenso der Kunst. Neben Kolumnen schrieb er außerdem Katalogtexte für Künstler, wie Warhol, Jean-Michel Basquiat und viele weitere.

„Es mag von einem alten Furz wie mir vielleicht altmodisch klingen, aber die Art, wie heute alles sofort zu Geld gemacht werden muß, geht mir auf die Nerven. Wenn ich mir ein Lifestyle-Magazin wie “Wallpaper” anschaue, werde ich wahnsinnig. Kunst wird durch Design und Mode ersetzt: Welches ist die neueste Marke, welches ist die neueste Band? Um mehr geht es nicht.“ bemängelte Glenn bereits 1998 im Interview mit dem SPIEGEL.

Sein Leben lang schrieb er – für Magazine, auf seinem Blog, für und über Künstler und veröffentlichte außerdem zahlreiche Bücher: Von „The Style Guy“ hin bis zu „How to Be a Man: A Guide to Style and Behaviour for the Modern Gentleman.“

“I guess I like to be busy.”, erklärte er der NYT.

Category: News

Tags: Glenn O Brien, NYFW

Von: Angelika Watta

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