Warum Paris Hilton 2018 wieder Stilikone sein kann

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1 Day till #INeedYou 💋

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Letztes Jahr kürten wir den Vokuhila als neue It-Frisur, stellten das Bling Bling, die Strassteine in den Fokus, durften feststellen, dass Ed Hardy schon lange nicht mehr den Asis in der Bahn gehört. Dieses Jahr feierten wir in das neue Jahrzehnt, ganz groß. Es ist nun also unausweichlich, offiziell.

Und mit dem großen Comeback der Nullerjahre kehrt auch ihre Personifizierung mit Mini-Rock, unter dem Arm geklemmter Tasche und weißen Stiefeletten ins Zentrum der Aufmerksamkeit zurück. Lange galt sie als „durch“, lange sprach man von ihr in einem belächelnden Ton, lange galt sie als ein hinterbliebenes Exzess der Nullerjahre.

Ihren Abstieg durfte man auf mittelguten Partys auf Ibiza beobachten, wo sie als DJ EDM-Hits der Chainsmokers auflegte. Lange Zeit interessierte das niemanden. Hin und wieder ein Song, 2009 besang sie noch mit hoher Stimme, blonder Dauerwelle und aufreizendem Lehrerinnen-Look ihren sich anbahnenden Untergang. „Nothing in this world can stop us tonight. I can do what she can do so much better.“

Jetzt tauchte sie, verkleidet als Kim K in Kanye Wests Kampagne auf. Die Presse riss sich um diese in Szene gestellte Absurdität der Situation, da Kim ja noch in Hilton’s  „The Simple Life“ ihre Haushälterin spielen musste.

Paris scheint irgendwie wieder da zu sein, interessant, eine News, eine reißerische Überschrift wert. Promi-Flash beobachtet: „Nach Kim: Auch Kris Jenner mit Paris Hilton auf Kuschelkurs.“ GALA: „Paris Hilton will „so schnell wie möglich“ heiraten. VIP.de: „Paris Hilton hängt ihren DJ-Job auf Ibiza an den Nagel.

#PlatinumBae 👱🏻‍♀️ #YeezySeason6

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So much fun being a #KimClone in the new #YeezySeason6 campaign. 🔥

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Ganz sieht es danach aus, als wäre das so lang als uncool, als auf der Party-Insel verschollene It-Girl, das diesen Begriff doch maßgeblich mitgeprägt hatte, wieder da, wieder en vogue zu sein. Findet zumindest Kanye, findet auch die Huffington Post. „Paris Hilton ist zurück weil die Mode sich nicht mehr helfen kann.“

Sie war die erste mit glitzerndem Klapp-Handy, die – damals noch umständlich ohne Frontkamera – die ersten Selfies schoss. Sie trug glitzernde Chocker, als diese noch nicht in jeder Ramsch-Kette im Sale hingen, trug Sonnenbrillen in Herzform wie sie jetzt gerade in der neuen Kollektion von Takesh-Eyewear abgefeiert werden. Auch die glitzernde rosa Sonnenbrille von Gucci, ist doch letztendlich nichts anderes als das, was Paris schon jahrelang zuvor trug. Ganz zurecht titelte also das W-Magazine zu Anfang dieses Jahres:

„Paris Hilton erfand alles, was du 2017 gemacht hast – und sie weiß es.“

Die Tochter des steinreichen Hotelbesitzers war schon Anfang des Jahrtausends von sich selbst besessen, betrieb das, was wir heute Selbstdarstellung nennen – machte aus ihrer Person ein Produkt. Und ebnete den Weg für das, was heute alle machen. Nur eben nicht mehr im klassischen Medium des Fernsehers – sondern auf Social Media, auf Instagram.

Ebenso wie zu Anfang der Nullerjahre, als sie die Ära der Glam-Girls begründete, passte sie nicht in diese Zeit, erfand sie was Neues und mit der ersten Reality-Show fand sie einen eigenen Weg, ihren Unterhalt mit Da-Sein, Öffentlich-Sein zu finanzieren— und wirkte dabei gleichsam befremdlich wie faszinierend.

Doch während die heutigen It-Girls, die mittlerweile Influencer heißen, sich via Insta-Story ständig über ihren selbst gemachten, so stressigen Alltag beklagen müssen und versuchen möglichst authentisch zu wirken, während sie filmen, was sie gerade so machen und gleich machen werden und wie viele unbeantwortete Mails sich heute in ihrem Postfach befinden – scheint das 90s, 2000er-Girl von diesem Zwang, dass ihre Selbstdarstellung auch Arbeit sein muss – völlig befreit.

Immer noch feiert es in Glitzerkleidchen und rosafarbenen Plüsch-Heels Champagner-Poolpartys auf Hoteldächern mit Promi-Freunden, als wären die letzten Jahre nicht gewesen. Und immer noch bringt Paris hin und da eine neue Single auf den Markt. „I need“ you kam erst heute, am Valentinstag heraus. Folgen soll darauf ein ganzes Album.

#INeedYou Out Now on iTunes! 💖 #HappyValentinesDay 💋 (Link in Bio)

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#INeedYou Single avail at 12AM on iTunes! 💋

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Während die Gesellschaft sich verändert und It-Girl kein Privileg, sondern vielmehr ein Job geworden ist, bleibt die Prinzessin der Ich-Besessenheit, des eigentlichen Nicht-Könnens von diesem Druck, der mit der Selbspromotion einhergeht, völlig unbeeindruckt.

Heute postet jeder Influencer, jedes Model #NoMakeup-Pics auf Instagram und versucht auf eine sehr künstliche Weise „real“ zu wirken. Paris wirkt in dieser Zeit der unbedingten Authentizität mit Bildern auf den Philippinen, mit Sonnenbrille und perfekter blonder Dauerwelle, am Strand liegend; mit Bildern, auf denen sie sich lasziv, nackt, in einem Meer aus Rosen räkelt als Gegenstück zur gewollten Natürlichkeit, als Rebell.

Begünstigt wird ihr neuer Status als 2018er-Stilikone zudem durch den sich immer wiederholenden Zyklus der Mode, den großen 2000er Hype, im Zuge dessen all das, was so lange als verschrien und geschmacklos galt, seine große Rückkehr feiert.

Paris Hilton tut immer noch das, was sie immer tat und wirkt dabei wie ein zeitgemäßes Relikt. Es gibt wohl nur wenige, die ihre Ästhetik so unbeirrbar jahrzehntelang durchziehen, wie es die Tochter der reichen Hotel-Kette tut. In diesem Fall ist ihre Oberflächlichkeit ihr Kapital, ihre Ignoranz ein Schwimmen gegen den sogenannten Strom – das, was ihr ungewollt die Authentizität sichert, nach der zurzeit alle zu streben scheinen.

4 Days till #INeedYou ✨👸🏼🎂✨ #ParisMonroe

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Thank you @_NAMILIA_ 💖 Love my new tracksuit! Perfect for my trip to #Aspen! 💓

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Category: News

Tags: 2018, Paris Hilton, Stilikone

Von: Angelika Watta

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