Werbung in Zeiten von Trump: Nike + Colin Kaepernick

NIKE hat lange gewartet.

Zwei Jahre ist es bereits her, seit der Football-Spieler Colin Kaepernick vor NFL-Spielen beim Abspielen der Nationalhymne aus Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus in den Vereinigten Staaten auf die Knie ging – und damit eine Bewegung auslöste. Und bereits seit 2011 hat NIKE einen PR-Vertrag mit dem zwischenzeitlich entlassenen Ex-Quarterback der San Francisco 49ers.

Doch erst jetzt hat NIKE das enorme Werbepotential des Colin Kaepernick in voller Breite eingesetzt:

Der 30-Jährige ist einer von mehreren Sportlern, mit denen Nike das Jubiläum des ebenfalls 30-jährigen Werbe-Slogans «Just Do It» feiert.

Am Dienstag postete Kaepernick ein Bild der neuen Nike-Werbekampagne auf seinen Kanälen bei Twitter, Instagram und Facebook. Das Schwarz-Weiß-Foto zeigt eine Porträtaufnahme von Kaepernick mit dem Schriftzug: «Believe in something, even if it means sacrificing everything. #JustDoIt».

Die Werbung kommt sogar ohne Nennung von NIKE aus. Zu sehen ist nur der legendäre Slogan und der nicht minder legendäre “Swoosh”.

Das brauchte es offensichtlich auch gar nicht. Selbst US-Präsident Donald Trump äußerte sich schon und sprach von einer “furchtbaren Botschaft”, die NIKE mit dieser Kampagne aussende, und auf Twitter und Instagram teilen enttäuschte Kunden Fotos, wie sie ihre NIKE-Turnschuhe verbrennen (#JustBurnIt) oder das “Swoosh”-Logo aus ihren Tennissocken schneiden. So weit, so erwartbar.

NIKE wird mit solchen Reaktionen gerechnet und sie einkalkuliert haben. Das Kampagnenvideo wurde innerhalb der ersten 24 Stunden seit erscheinen millionenfach auf YouTube geklickt.

Und für das Auftaktspiel der NFL-Saison hat NIKE sich bereits einen der begehrten Pausen-Werbespots gesichert.

Dass es dem Sportartikelhersteller mit der Kampagne sicherlich weniger um eine Art Corporate Conscioussness geht, wie der Schauspieler und Hobbymaler Jim Carrey auf Twitter schreibt, als vielmehr um politpoppiges Marketing, sieht man auch daran, dass NIKE als Trikotsponsor der NFL weiterhin gut und gerne mit der Liga zusammenarbeitet, die ihren jetzigen Werbestar seit zwei Jahren wegen einer Aktion nicht mehr beschäftigt, für die NIKE ihn nun feiert.

Wie es mit den Protesten der Spieler weitergeht und ob jemand knien wird, werden die amerikanischen Fernsehzuschauer jedenfalls vielleicht gar nicht erfahren. Die Sender ESPN und CBS haben angekündigt, die Nationalhymne nicht zu übertragen. Stattdessen wird Werbung gezeigt.

Category: Trends

Von: Carl Jakob Haupt

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