Zu Besuch bei Ben Sherman in London

Am Montag bin ich nach London gereist, um mir vor Ort die zwei brandneuen Ben Sherman-Stores anzuschauen. Nach einem gerade noch so und ziemlich hektisch erreichten Flug, der auf dem gar nicht mal so bescheuerten Heathrow-Flughafen landete, düste ich schnell ins Hotel im Stadtteil Soho. Dort angekommen, zog ich meine noch am morgen mit viel Verve angezogene Oberbekleidung, ein Fred Perry-Poloshirt und eine Schiebermütze, aus und tauschte es gegen ein geripptes weißes Unterhemd. Denn wider Erwarten war es in London warm und sonnig. Zu warm jedenfalls für ein Poloshirt plus Jacke. Aus der gewollten Provokation, mit einem Shirt der anderen großen britischen Working Class-Marke in den Ben Sherman-Store zu gehen, wurde also nichts. War um ehrlich zu sein auch etwas billig, diese Idee.

Den Ben Sherman-Store in der Carnaby Street konnten meine Begleiter, PR-Frau Hanna sowie Journalist Timo, und ich vom Hotel aus zu Fuß erreichen. Im Laden empfing uns Mark Maidment, der bei Ben Sherman nicht nur den längsten Bart hat, sondern auch noch Creative Director ist. Er zeigte uns das neue Design des Geschäfts und präsentierte voller Stolz die “Shirt Bar”. Dort werden gefalltete Hemden liegend in einem Regal präsentiert. Das Konzept ist, das gab Mark natürlich sofort zu, geklaut von der Art und Weise, wie Jeans seit Jahren verkauft werden. Interessant an der “Shirt Bar” ist aber vor allem der Bartender, der sich tatsächlich mit allen Details der Hemden, vom Kragen bis zum Knopf, auskennt.

Im unteren Teil des gefließten Ladens findet sich die aktuelle “Plectrum”-Kollektion, die das neue Herzstück der Marke darstellen soll. Neben schlank geschnittenen Anzügen, dutzenden Hemden und ein paar Chinos, stach hier besonders ein dickes grünes Sakko hervor, das ich am liebsten sofort mitgenommen hätte. Doch kurz vor der finalen Kaufentscheidung wurde mir ein Gin mit Himbeersaft gereicht, der ob seiner schaumigen Süße meine gesamte Aufmerksamkeit forderte.

Nachdem wir genug gesehen hatten von dem neu eingerichteten Laden in der Carnaby Street, wurden wir in die Savile Row,  die “golden mile of tailoring”, gefahren. Dort hat Ben Sherman ebenfalls ein Geschäft, wenn auch ein deutlich kleineres, als das in der Carnaby Street. Der neue Store in der Savile Row ist boutique-artig gestaltet und bietet ausschließlich Teile der “Plectrum”-Kollektion, sowie die “Modern Classic”-Kollektion an. Hier finden sich eben nicht dutzende Hemden, die hinter einer Bar gestapelt sind, sondern eigens kuratierte Kleidungsstücke, Bücher und Accessoires. Neben den Ben Sherman-Teilen werden in einem kleinen Regal verschiedene Vintage-Accessoires, wie Uhrenarmbänder und Sattelledertaschen, angeboten. Sehr schön ist das. Ich ärgere mich schon jetzt, dass ich mir kein Uhrenarmband mitgenommen habe. Das hätte ideal zu der goldenen Uhr gepasst, die mein Vater mir einst lieh und nie wieder sah.

Als wir auch den zweiten Laden in all seiner Umfänglichkeit ausgiebig beschaut hatten, gingen wir ein wenig spazieren. Das gute Wetter ließ uns großmütig über die dutzenden aufgekratz umherlaufenden Schulklassen hinwegsehen. So schön und gänzlich unbritisch war das Wetter. Donnerwetter!

Beim abendlichen Dinner im Londoner Soho-House, das übrigens deutlich kleiner ist, als das Berliner Pendant, saß ich dann neben Ben Sherman CEO Pan Philippou. Pan ist ein hemdsärmeliger, wirklich sehr lustiger Kerl. Wir unterhielten uns über afrikanische Frauen, kiffende Jugendliche, deutsche Soziologen, vegetarisches Essen und britischen Gin. Dass Pan, mit Ausnahme eines Champagners, gar nicht trank, bemerkte ich erst beim Dessert. Wir verstanden uns dennoch prächtig, was in mehrmaligem gegenseitigen Schulterklopfen und lautem Lachen gipfelte. Wenn eine Marke so einen Chef hat, kann sie ja gar nicht schlecht sein, dachte ich in einer stillen Sekunde und bemerkte dabei nur so halb, dass die Kellnerin zum wiederholten Male Wein nachschenkte.

Als das Essen sich dem Ende neigte und die Engländer so langsam nach Hause zu ihren Famililen aufbrachen, verzogen wir Deutschen uns auf die Dachterrasse des Clubs und tranken, wie man das in England nun mal so tut, Gin Tonic. Später traf ich noch die bezaubernde, in London lebende Maleen, mit der ich erst in einem Pub und irgendwann dann im rappelvollen Mahiki Club landete, den ich wirklich jedem nur empfehlen kann. Der Wahnsinnsabend endete am frühen Dienstagmorgen damit, dass ich mich auf dem Weg zum Hotel verlief, offensichtlich sehr orientierungslos aber ungefährlich aussah – und von einem freundlichen Müllmann im Müllauto zu meinem Hotel gefahren wurde. Mehr geht nun wirklich nicht.

Alle Bilder: Carl Jakob Haupt

Category: News

Von: Carl Jakob Haupt

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